Geschichtliches aus dem kleinen
Fachwerkort Beierfelde und seiner Umgebung

 
 
Die kleine gepflegte Ansiedlung Beierfelde, die man auf dem Weg von Osterode nach Schwiegershausen durchfährt, besteht größtenteils aus Fachwerkhäusern. Mit deren Bau wurde vor über 100 Jahren begonnen.
Beierfelde, aus südlicher Richtung aufgenommen

Die steinernen Überreste der Kirche - Foto: I. Kreckmann
Südöstlich, in etwa 250 Meter Entfernung, befindet sich ein alter Siedlungsplatz: Besingen oder Beisingen. Es könnte eine germanische Siedlung aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n.Chr. gewesen sein. Im 12. oder 13. Jahrhundert ist der Ort wahrscheinlich wüst gefallen.

Der Dorfmittelpunkt war vermutlich die an einem Hang auf einer kleinen Anhöhe gelegene Pfarrkirche, an die heute noch steinerne Überreste erinnern. Sie ist als Kulturdenkmal in aktuellen Karten gekennzeichnet. 1477 gingen nahegelegene Ländereien an das Jakobikloster zu Osterode.

Weshalb die Bewohner Besingen aufgaben, ist offen, vermutet wird die ungenügende Wasserversorgung. Auch die Bodenbeschaffenheit mag Gründe dafür gegeben haben: Große Flächen ließen sich nur durch Beweidung nutzen. Die Felder in den Senken waren zwar fruchtbar, aber Lehm, Ton, Gips- und Dolomitsteine erschwerten die Feldarbeit.

Über diese Wüstung schrieb 1862 Georg MAX in seinem Buch
„Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen“ :

In einigen Brüchen wurden Steine für den Wegebau gewonnen. 1880 existierte in Beierfelde schon die Ziegelei von Albert Kühne. Nahe dieser erwarb vor über 100 Jahren Karl Sydekum einen Fachwerkrohbau. Er vollendete ihn und führte neben seiner zunächst kleinen Landwirtschaft den Ziegeleibetrieb fort, in dem schwere Dachziegel handgeformt wurden.
 
Heute ist dessen Urgroßsohn als einziger von einst vier Landwirten noch aktiv. Seine Nutzflächen liegen teilweise im Naturschutzgebiet. Die Ländereien um Beierfelde gehören zur Osteroder Feldmark. Als der Schäfer, Schlachter und Landwirt Karl Kolle aus Spanbeck um 1900 in Beierfelde größere Landflächen kaufen konnte, baute er als zweiter seinen Hof auf. Die dazugehörigen Grundflächen verringerten sich später, weil unter seinen neun Kindern real geteilt wurde. Karl Kolle richtete eine Flaschenbierhandlung ein, um 1952 wurde daraus die Gaststätte "Zum Klinkerbrunnen".

Foto um 1920: Die Schankwirtschaft von Karl Kolle in Beierfelde. Später wurde daraus die Gaststätte
"Zum Klinkerbrunnen"
Foto: Bestand: Frau E. Lehnhoff

Im Jahr 1939 gab es beispielsweise fünf Familien, darunter vier z.T. verschwägerte Landwirtsfamilien nämlich zweimal Sydekums, Kolles, Derneddes und die Familie des Kaufmanns Martin Dierichen, der am Kornmarkt in Osterode seine Fischhandlung betrieb.

Während das erste Gebäude auf der Anhöhe links noch die Straßenbezeichnung Krebecker Landstraße führt, ist das in der Senke gelegene Hullensche Gebäude schräg gegenüber postalisch Beierfelde 5. Dort betrieb Eberhard Hullen seit 1965 eine Pilzbrutzucht. Er hatte sein Wohnhaus in der Siedlung Dreilinden gegen das Anwesen der Familie Dierichen getauscht.

Von den gegenwärtig um 20 Beierfeldern sprechen nur noch wenige plattdeutsch. Sie sind Gemeindeglieder der Kirche "Zum guten Hirten", seit es diese gibt. Die Kinder besuchen die Osteroder Schulen.

Seit dem 16. Jahrhundert ist der nahegelegene Beierstein bekannt, den wir als den Klinkerbrunnen kennen. Dicke Tropfen bilden sich in dem Gestein über einer Höhle. Da sie auf stehendes Wasser fallen, ergibt sich ein klingendes Geräusch. Der Klinkerbrunnen war früher ein beliebtes Wanderziel, viele Schulausflüge führten dorthin.

Den bekannten Künstler Prof. Gottfried Schüler reizte Beierfelde zum malen. Zwei Bilder sind in dem "Kleinen Künstlerlexikon" zu sehen.
 

Ingrid Kreckmann

GPS-Koordinaten
N 51.7007° E 10.2506°

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