| Die Nashornfunde zu Düna (NSG Hainholz) vom Jahre1751 - und ihre Bedeutung für "die physische Geschichte unseres Planeten" ![]() Abb. 1: Nachdem wohl vor 15 000 Jahren Nashörner in Deutschland ausgestorben waren, Kurzfassung Vorbemerkungen Im Rahmen der geologischen und historischen Forschung über das NSG Hainholz bei Düna gelangte eine früher nur im allgemeinen Zusammenhange mit Knochenfunden zitierte Arbeit zur näheren Beachtung: ein Fundbericht aus dem Jahre 1751, nach welchem die Dünaer (? oder Hördener Bauern) beim Mergelschürfen in einem Gipsschlottengelände auf Knochen stießen. Der Bericht weist auf das Hainholz. Die Knochen (Wollhaarnashorn) führten in der Wissenschaftsgeschichte der Säugerfaunenentwicklung zu einer Wende, die für das NSG Hainholz zu einem weiteren Merkmal der Schutzwürdigkeit führt. Für die Belange der gegenwärtigen gerichtlichen Auseinandersetzung um den Naturschutz ebendort wurde dieser Knochenfund historisch aufbereitet, eine deutsche Übersetzung des lateinischen Fundberichtes wurde vom Verfasser vorgenommen. Hier sollen die Ergebnisse vorgestellt werden, zumal eine im April / Mai 1979 durch das Institut für Denkmalspflege, niedersächsisches Landesverwaltungsamt, Hannover, im Hainholz durchgeführte Grabung detaillierten Einblick in die Schlotten und in ihre Füllmassen eröffnete. Über eine röntgenographische Analyse der Mergelfüllungen berichten Kempe und Emeis im anschließenden Aufsatz. Auslöser für die Grabung war der im vergangenen Jahr hier erschienene Aufsatz von E. Anding über Knochenfunde in Osteroder Gipsbrüchen. Anding legt die Vorstellung nahe, daß die Tiere durch die Hand des paläolithischen Menschen, evtl. mit Hilfe von Fallgruben in die Schlotten bzw. Dolinen gelangt sind, wofür auch einige Steinwerkzeuge sprechen. Sollten die drei, ao. 1751 in einer Schlotte gefundenen Nashörner von Menschenhand erlegt sein? Dann wären im Hainholz für dieses Schlottengelände altsteinzeitliche Funde zu erwarten. Dank gilt den Herren Dr. Laszlo Karolyi, Lehrstuhl für Anthropologie, und Dr. Hans Jahnke, Geologisch-Paläontologisches Institut der Universität Göttingen, für ihre erfolgreiche Hilfe bei dem Wiederauffinden des Fundmaterials, auch Herrn Dr. Klaus Haenel, Handschriften-Abteilung der Universitätsbibliothek zu Göttingen, welcher die Manuskripte Hollmanns und Blumenbachs - nun leider ohne Erfolg - durchsah; Anlaß hierfür war das Bemühen um eine möglichst genaue Eingrenzung des historischen Fundortes.
Abb. 2: Lageplan zu den Fluren, Schlottenfeldern, zum vorauss. Fundort von 1751 und zum Grabungsgelände von 1979 im NSG Hainholz Die Oberfläche des im übrigen geneigten Berges, welche ca. 300 bis 400 Fuß im Umkreis einzuschließen scheint, ist zu einem großen Teile eben, ist mit 1-2 Fuß Mutterboden bedeckt und mit verschiedenen Kräutern bewachsen, unter welchem eine große Mächtigkeit Megels gefunden wird. Aus dem Mergel und dem darüberliegenden Mutterboden selbst ragen an vielen Stellen Fels-Köpfe, bestehend aus weißem Gestein und an Höhe den Mutterboden um 1 oder 2 Fuß kaum überragend2. Beschreiben wollen wir dieses wahrhaft gebrechliche Gestein, welches sowohl aus irregulären Bruchstücken als auch aus gleichsam unreinem Alabaster sowie einer gewissen, quasi unreifen Art von Spatkristallen besteht. Dieser Spat schließt an vielen Stellen eine große Menge eines durchsichtigen Gesteines ein, welches man Selenites, aber auch Marienglas nennt und das bald mehr oder minder rein, bald mit größeren oder kleineren Erdklümpchen durchsetzt ist. Darin sind auch verschiedene Hohlräume und irreguläre Löcher, die mit eben jenem Mergel besetzt und verstopft sind. Dieser Mergel also bedeckt unter dem Mutterboden die gesamte, etwas geneigte Oberfläche und umschließt gleichsam jene vielgestaltigen Felsen von Spat bzw. Alabaster. In diesem Mergel nun, der umgeben ist von diesen Spatfelsen und von dessen unregelmäßigen Hohlräumen eingeschlossen ist, sind jetzt jene oben beschriebenen Knochen gefunden worden, größere, kleinere, bis zu einer Tiefe von 6, 8, 10 und mehr Fuß, indem sie aus eben diesem Mergel ausgegraben wurden, wo sie häufig zwischenden Höhlungen des Spates versteckt waren. Schon durch die Form derjene Knochen einschließenden Felsen und unregelmäßigen Höhlungen scheint sich zu ergeben, daß diese Höhlungen sich entweder erst dann bildeten, also von der Zeit ab, in der die Knochen in diesem Orte zu liegen gekommen sind, oder daß sie angefüllt und zugeschlemmt wurden seit jener Zeit durch den noch flüssigen Mergel, wobei jene Knochen gleichsam hineingerollt und begraben und so möglicherweise mit dem Mergel selbst an diesen Ort gelangt sind und zwischen jene Lücken und Höhlungen des Gipses abgelagert worden sind. Beide Möglichkeiten weisen ohne allen Zweifel ein höchstes Alter unseren fossilen Knochen zu. Da in jenem Hange noch viele unberührte Stellen übrig sind, an denen Felsen dieses Spates aus eben diesem Mergel und Mutterboden herausragen, wird es kaum wieder dieselbe Stelle sein, an der die Mergelschürfer, die den Mergel zum Düngen ihrer Felder gebrauchen, weitergraben werden, welchletztere mit Knochen in der gleichen Weise wie andere Stellen gefüllt ist. Unsere Hoffnung ist nicht gering, daß, wenn nach und nach auch die anderen Stellen aufgegraben werden, nicht weniger denkwürdige Relikte der ehemaligen Erde aus diesen Schlotten ergraben werden."
Abb. 3: Der von Schlottenfeldern umgebene hohe Karstkegel des "Sommersitzes" in der Flur Karsten Jägerkopf im zentralen Hainholz.
Zur anatomischen Bestimmung der Knochenfunde "Die aus einem Hartzhügel herausgegrabene, meist calcinirte, Knochen, waren als nun unstreitige Rhinozerosknochen, wenn es gleich noch zu erklähren schwer zu seyn schien, wie sie dorthin, mitten in den Mergel, und zum Theil in die mit Mergel ausgefüllten großen und kleinern' Löcher der Alabaster Klippen, hingekommen, die, wie der V. hernach an Ort und Stelle selbst gesehen, über sie gleichsam erst hergewachsen waren. Was für ein Neues Erstaunen entstand aber, da man aus den in großer Menge nach und nach erhaltenen Knochen deutlich einsahe, daß sie nicht von Einem Thiere allein seyn könnten, sondern viele, von gleicher Art, alda zusammen müsten gewesen seyn! welches sonderlich an den vorhandenen, zum Theil gantzen, zum Theil abgegebrochenen, Humeris sich augenscheinlich zeigte; als von welche viere von ausgewachsenen Thieren, und Einer von einem Jungen Thier, von gleicher Art, sich zeigeten, ..."Hollmann 1776: 175 f.).Hollmanns Vorlesungsskript vom 8. Januar 1752 mit der exakten Anatomie der Dünaer Knochen und dem Erkenntnisschritt über ihre Zugehörigkeit zum Nashorn wird 1753 in den Commentarii der Kgl. Societät d. Wissenschaften zu Göttingen veröffentlicht. Ein zu Hattorf weilender, Hollmann befreundeter Jurastudent sandte aus derselben Fundstelle im Hainholze am 21. Dezember 1752 weitere Knochen, worunter jedoch einige von einem noch größeren Tiere stammten. Oben erwähnter Oberamtmann zu Herzberg, Nanne, konnte im folgenden Jahre auf Hollmanns Bitten von ebendort weitere Knochen und Zähne sicherstellen und nach Göttingen senden, so daß Hollmann letztlich über mehr als 200 (Gilbert 1795: 413) Knochen von dieser Fundstelle verfügte. Zwei weitere Fundstellen, eine bei Scharzfeld (1750; nicht die Einhornhöhle!) und eine nicht weiter lokalisierte zwischen Düna und Osterode, lieferten gleichzeitig ebenfalls einzelne Nashorn-Knochen, die Hollmann in seiner zweiten hierüber am 1. Juli 1752 gehaltenen Vorlesung, gedruckt 1753 (1753b) ebenda, beschreibt. So werden 5 Nashörner (4 adult, 1 juvenil) letztlich für ein nur schmales Areal am südlichen Harzrand innerhalb zweier Jahre erstmalig nachgewiesen und beschrieben Wie problematisch eine exakte anatomische Bestimmung solcher ungewöhnlichen Knochen damals war, zeigt schon die Begebenheit eines unternommenen Zahnvergleiches. Die Skelett-Knochen konnte Hollmann noch in ihren Dimensionen leicht mit bereits publizierten Elefanten- und Nilpferd-Knochen und mit einem ebendaselbst gesehenen, lebenden Nashorne vergleichen. Einen Kollegen der Göttinger Societät, Joh. Friedrich Meckel, der sich zu einer längeren Europareise anschickte, bat Hollmann, wo auch immer er ein Nashorn antreffen möge, "tot oder lebendig", dessen Gebiß zu beschreiben. Zum Vergleich gab er ihm einen in Düna gefundenen Zahn mit (Hollmann 1753b: 266 f., Abb. XI). Schon bald schrieb Meckel aus Paris, er habe dort ein lebendes Nashorn untersucht. Form und Größe der Zähne stimme mit dem Probestück überein, allein, "er könne von dem Gebiß keinen Wachsabdruck fertigen, es sei nämlich gefährlich, die Hand dem Tier ins Maul zu stecken. Auch könne er keine Zeichnung fertigen, da die weiter hinten liegenden Zähne kaum oder nur für den Moment zu erspähen seien, da das Tier sein Maul öffne, um ein Stück Brot zu erhaschen" (ebd., S. 267 Anm.; aus dem Lat. übers.).Erst die derartig gewonnene Bestimmung des Gebisses stellt für Hollmann außer Frage, daß es vierer erwachsener und eines jüngeren Nashornes Knochen und Zähne sind, die er in Händen hat und so, zum Gedenken der Nachwelt, dem zukünftigen Museum der Kgl. Societät sichern will. Die Knochen, auch die Zähne waren bis in die feinsten Poren und Hohlräume hinein mit dem Mergel, einem sandigen Karbonat-Grus, der die Füllmasse der Schlotte am Sommersitz überhaupt ausmachte, zugesetzt, woraus Hollmann den - nach unserem heutigen Wissensstand sicher nicht ganz richtigen - Schluß zieht, es sei nicht das lebende oder kaum gestorbene Tier in die Schlotte gelangt und dort vom Mergel eingedeckt. Allein, "die ganze Lage des Hügels gegen die nördlich und östlich ihn umgebenden Harzgebirge, scheint sein Entstehen durch einen Wirbel des hier sich brechenden Wassers zu beweisen; dieses hat wahrscheinlich die Überreste der einheimischen und ausländischenThiere, die man hier unter einander findet, herbey geschwemmt und zugleich mit dem Mergel abgesetzt" (Gilbert 1795: 413 aus Hollmann 1753b: 271f.).Zu den wissenschaftsgeschichtlichen Auswirkungender Funde "Ob jene Tiere notwendigerweise häufiger der einst in diesenGegenden gelebt haben, oder ob nur die Kadaver jener auf welche Weise auch immer einst in diese Gegend gelangt sind, darüber soll später mehr gesagt werden" (Hollmann 1753b: 256; aus dem Lat. übers.). Während Georg Henning Behrens in seiner Hercynia Curiosa 1703 über Funde von Elefantenknochen am Harzrand (Burg Tonna) zwar schon abzulehnen geneigt ist, "daß solche abscheulich schwere fleischerne Hügel oder Berge ... in der Sünd Fluth über tausend und mehr Meilen Weges aus Asia und Africa, als wo sich die Elephanten mehrentheils auffhielten, solten in Teutsch-Land fortgetrieben ... sein" (Behrens1703:49),so wird hier bei Hollmann, angeregt durch die Funde fünfer Nashörner, erstmals an eine ältere Faunengesellschaft mit Elefant und Nashorn auf deutschem Boden gedacht. Vielleicht war sich Hollmann, mindestens in den ersten Jahren nach den Funden von 1751, der erheblichen wissenschaftlichen Bedeutung seiner Entdeckung noch nicht bewußt. In einer Nachlese, 25 Jahre danach, kurz nachdem bei Osterode erneut (1773) Knochen, diesmal vom Mammut gefunden worden waren, bedauert aber Hollmann bereits, daß die seinerzeit gestochenen Kupfertafeln "wie altes Eisen" verkauft worden seien, auch daß die Commentarri der Societät keine so sonderliche Verbreitung oder Auflage gehabt hätten. Doch sind die Knochen selbst noch in seinen Händen (Hollmann 1776: 176). Seine anatomische Beschreibung der Nashorn-Knochen ist laut Cuvier (1825: 44) die erst dritte Erwähnung des fossilen Rhinozeros und die erste exakte anatomische Beschreibung in der wissenschaftlichen europäischen Literatur überhaupt. Beide vorangehenden, englischen Funde waren, in einem Falle als Flußpferd fehlbestimmt, Einzelfunde. Nun ist die Nähe des Harzrandes mit seinen zahlreichen Säugetierresteführenden Schlotten und Dolinen gewißlich ein Anreiz für den Umstand gewesen, daß an der Göttinger Universität nach ihrer Gründung im Jahre 1734 aus den anatomischen Wissenschaften sich sehr bald das entwickelte, was wir heute als Paläontologie, die Wissenschaft von den Lebewesen und ihrer erdgeschichtlichen Entwicklung, studieren. Nachdem Hollmann so die Grundlagen geschaffen hat, war es keine 50 Jahre später der berühmte Anatom Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840), der durch konsequente Anwendung der vergleichenden Anatomie, besonders auch auf fossiles Material, für die Zoologie und ihre Stammesgeschichte neue und brauchbare Ordnungssysteme lieferte und so zum deutschen Begründer wissenschaftlicher Säugetierpaläontologie wurde. Es waren vorallem die ausführliche Beschreibung der Hainholz-Funde sowie die, seinerzeit zuletzt 1808 nördlich Ührde anschließenden Entdeckungen von Mammut5, Wollhaarnashorn und anderen kälteliebenden, eiszeitlichen Großsäugern, die Blumenbach zu der noch heute gültigen Erkenntnis gelangen ließen, daß in geologischer Vergangenheit Tiere, die heute in anderen geographischen Breiten und Klimata leben, auch in unseren Gefilden beheimatet gewesen sein können.
Abb. 4: Das Wollhaarnashorn. Eine Restauration eines in den Erdwachsgruben von Starunia, Ostkarpaten, mitsamt konservierten Weichteilen und Wollkleid gefundenen Exemplars (jetzt im Zoologischen Museum Krakau); nach Kurten (1968: 144).
Zum Verbleib des Fundgutes "Dieser Fund ist um so merkwürdiger, als er der erste bedeutende der Art in unserm Lande war und ohne Zweifel durch die richtige und vollständige Erklärung desselben durch einen Gelehrten, wie Hollmann, sehr viel dazu beigetragen hat, die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf diesen höchstwichtigen Zweig der Naturgeschichte zu lenken und ihm die Ausbildung zu gewähren, deren er sich jetzt durch die ferneren Bemühungen unsers Blumenbachs, Cuvier's u. A. zu erfreuen hat." (Wächter 1835: 529).1884 liegen die Knochen noch im Universitätsmuseum zu Göttingen (Struckmann 1884: 47). 1978 waren diese zunächst nicht aufzufinden. Es ist nun bekannt, daß erhebliche Teile der älteren Sammlungen, auch der paläontologischen Orginale-Sammlung, bei den diversen Aufgliederungen und Umzügen der universitären Einrichtungen Göttingens, auch durch Sammlerhand und Kriegseinwirkung verloren gegangen sind. Es fanden sich dann aber einige Knochen in der paläontologischen Sammlung des Geologisch-Paläontologischen Institutes in Göttingen (1979: Schrank 34, Reihe 2 u. 4), laut Etikettierung: Originale Hollmann, Düna 1750. Die Identifizierung war darüber hinaus, dank der großen Akkuratesse der Kupfertafeln in Hollmann (1753b), unschwer: 9 Knochen dabei der Humerus aus Scharzfeld, sowie ein Zahn. Einige derselben sind auch bei Cuvier abgebildet. Allesamt gehören diese Originale zu Coelodonta antiquitatis (Blumenb.), dem Wollhaarnashorn. Handschriftliche Notizen finden sich leider nirgends mehr in Göttingen. Weitere Nachforschungen sollten sich jetzt auf eventuell noch vorhandenen Akten des alten Amtes Herzberg aus den Jahren 1750-52 richten, da die mehrfachen Aktivitäten des damaligen Oberamtmannes Justus Henrich Nanne auch zu Aktennotizen geführt haben dürften. Zum Schlottenphänomen im Hainholz
Abb. 5: Ein einzelner Schlottenkopf im zentralen Hainholz; hier mit schön ausgebildeten Rinnenkarren. Interessanterweise liefert Hollmann (1753b) einen völlig anderen Ansatz. Er spricht davon, daß die Schlottenköpfe förmlich über den Mergel hergewachsen seien. Offenbar hat Hollmann das Karstphänomen nicht erkannt, vielleicht auch nicht gekannt, und denkt, welcher Eindruck sich dem Uneingeweihten leicht in diesem merkwürdigen Gelände eines Schlottenfeldes einstellen mag, wohl mehr an Wachstumsprozesse des Fels- (Gips-) Untergrundes über eine ehedem quasi darübergelegene Schicht lockeren Mergels samt Mutterboden. Es darf ja nicht unübersehen bleiben, daß Schlottenfelder dieser Ausprägung, gebunden an das ohnehin rare Auftreten von Gips an der Erdoberfläche, zu den allerseltensten Geländeformen überhaupt gehören, und auch heute, in einer so mobilen Zeit, nur den allerwenigsten Augenzeugen bekannt sein dürften. Das einzige vergleichbare Schlottenfeld, von anderen bei Düna abgesehen, findet sich auf dem Kranichsteine bei Walkenried. Kommen wir ein letztes Mal auf den Hollmannschen Bericht zurück: um "1-2 Fuß" überragen die Schlottenköpfe (so in Abb. 5 festgehalten) die dazwischen liegenden Hohlformen. Solche Flächen finden sich auch heute noch im Hainholz. Nach einiger Zeit des "Hinsehens" in das Feinrelief der Schlottenfelder lassen sich dort oft zweifelsfrei unberührte Flächen von solchen unterscheiden,die während vergangener Jahrhunderte durch das Schürfen nach Mergel über die Dimensionen des natürlichen Reliefunterschiedes hinaus übertieft worden sind. Ein kleineres, 300 m südöstlich des Sommersitzes gelegenes Schlottenfeld zeigt dies in aller Schärfe. Hier steht noch eine richtige "Abbruchkante" zwischen dem intakten Boden und dem tiefliegenden Gelände ausgeräumter Schlottenfüllungen. Weitere Forschungsarbeiten zum Schlottenphänomen sind ebenso wünschenswert wie ganz besonders solche, die den historischen Mergelabbau im allgemeinen, speziell aber auch aus dem Gipskarst zum Inhalt haben, da hier - recht unbeabsichtigt - ans Licht kam, daß ein Teil der Formen künstlicher "Natur" ist, zumindest von Menschenhand überprägt ist, der als typisches Phänomen des nackten Oberflächenkarstes im Gips schon verschiedentlich kartiert worden ist. Bereits Schönfelder (1978: 17) vermutet eine künstliche Überprägung der Schlottenfelder im Hainholz, bringt diese aber mit dem Bau des Osteroder Kornmagazins (1722) in Zusammenhang und zitiert eine mdl. Mitteilung v. Dr. M. Granzin. Osterode, wonach hierfür auch Ziegelerde bei Düna geholt wurde. Nun hat die ehemalige Ziegelhütte Düna voraussichtlich den Grauen Salzton (T3 des Zechsteins) abgebaut, der flächenhaft auf dem Plateau von Düna steht. Es war der Fund von Wollhaarnashorn-Knochen von 1751 nicht nur "für die physische Geschichte unseres Planeten epochemachend", er stellt zugleich auch das Hainholz in die Aufmerksamkeit der Fachwelt. Hollmann veröffentlichte nicht nur die erste anatomische Beschreibung des Wollhaarnashorns, er lieferte ebenso die erste, in der Literatur bekanntgewordene Beschreibung eines Schlottenfeldes mitsamt der Petrographie ihrer Füllmassen, er lieferte, nach einem vereinzelten Datum von 1308, den ersten nähern Hinweis auf die Jettenhöhle. Das Ganze begann damit, daß Amtsschreiber Kontzen, Pächter zu Düna, seinen Knecht, wohl mitten im Winter, in den Wald schickte, nach Mergel zu graben. F. Vladi QuellenDa die Thematik von Knochenfunden auch zukünftig für den südwestlichen Harzrand von Belang sein wird, ist mit dem folgendem Literaturverzeichnis eine größere Vollständigkeit, die über die im Text genannten Arbeiten hinausgeht, angestrebt. 1703 Behrens, Georg Henning: Hercynia curiosa oder Curiöser Hartz-Wald. 201 S.; Nordhausen (Neuenhahn) l703. 8º. 1803 Blumenbach, Johann Friedrich: Specimen Archaeologiae Telluris Terra rumque Inprimis Hannoveranarum. - 28 S., 3T'.; Göttingen (H. Dietench) 1803. 4º. Zunächst abgedr. in: Commentat. Soc. Regiae Sc. Gotting. Classis Physicae Tom. 15, ad a. 1799 et 1800, S. 132-156; Göttingen (Dieterich) 1800. 4º. (S. 13(145)). 1808 Blumenbach, Johann Friedrich: Titel? - Göttinger Gelehrte Anzeigen, Nr.88; Göttingen 1808. 1813 Blumenbach, Johann Friedrich: Über die fossilen Gebeine von Elephanten und Mammutsthieren, und über anderepräadamitische Thier- und Pflanzen - Reste, besonders aus den Hannöverschen Landen. - Aus zwei Vorles. geh. in d. königl. Ges. d. Wiss. zu Gött. im Mai 1808 u. im Dec. 1813 zunächst abgedr. in den Götting.gel. Anzeigen, dort erneut ausgezogen und abgedr. in: Gilbert, Ludwig Wilhelm (Hrsg.): Ann. d. Physik, N.F. Bd., 15, Kap. V., S. 425-436; Leipzig (A.Barth) 1813. 80. (S. 425 f., 429, 433) 1816 Blumenbach, Johann Friedrich: Specimen Archaeologiae Telluns Terrar rumque Inprimis Hannoveranarum Alterum. - 24 S., 1 T.; Göttingen (H. Dietench) 1816. 4º. Zunächst abgedr. in: Commentat. Soc.Regiae Sc. Gotting. recentiores classis physicae. Bd. 3, S. 3-24, 1 T.;Göttingen (H. Dietench) 1816. 4º. (S. 4- 6; nach einem Referat vor der Jahresversammlung der Ges. am 20. Nov. 1813) 1975 Böttcher, Wilhelm: Aus der Urgeschichte des Harzes. - Allg. Harz - Berg Kalender f. d. Jahr 1975, S. 31-36, 2 Abb.; Clausthal-Zellerfeld (Ed. Pieper) 1975. 40. (S. 34) 1877 Brandt, J. F.: Versuch einer Monographie der Tichorhinen Nashörner nebst Bemerkungen über Rhinoceros leptorhinus Cuv. usw. - 135 S., XI Taf.; St. Petersburg 1877. 4º. 1751 Brückmann, Franz Ernst: Nachricht von einigen, im Fürstenthum Grubenhagen entdeckten, Knochen eines unbekannten Thiers. - Braunschweigische Anzeigen, 64. Stück, Sp. 1289-1292; Braunschweig 1751. 8º. 1787 Büsching, Anton Friedrich: Große Erdbeschreibung. - 24 Bde. nebst Hauptreg. (Bd. 1-4), Troppau (13 ff.:Brünn): Traßler (Reg.: Wien: Schrämbl) 1784-90. 8º Bd. 21: Der Niedersächsische Kreis, Abt. 1, 1787 (S. 305). 1806 Cuvier, George Baron de: (Wiedergabe einiger Knochen von dem Hainholz Fund 1751 in:) Annales du Muséum (national) d 'Histoire Naturelle, Bd.VII, Nr. 37- 42, S. 19, Taf. 1-4; Pans (F. Schoell)1806.4º. 1823 Cuvier, George Baron de: Recherches sur les Ossemens Fossiles, où l'on retablit les caractères de plusieursanimaux dont les ré volutions du globe ont détruit les espéces.- 3. Aufl. 1808 Ebel, Johann Gottfried: Über den Bau der Erde in dem Alpen - Gebirge zwischen 12 Längen- und 2-4 Breitengraden nebst einigen Betrachtungen über die Gebirge und den Bau der Erde überhaupt. - 2. Bd.; Zürich (Orell Füssli & Co.) 1808.80. (S. 261) 1786 Gatterer, Christoph Wilhelm Jakob: Anleitung den Harz und andere Bergwerke mit Nutzen zu bereisen. - Zweyter Theil; Göttingen (Vandenhoeck) 1786. 8º. (S. 152, § 107) 1851 Giebel: Geschichtlich-literarische Notizen über die fossilen Rhinocerosknochen. - Jber. naturwiss. Verein Halle, 3. Jg., S. 2-9; Berlin (Wiegandt u. Grieben) 1851. 8º. (S. 3) 1795 Gilbert, Ludwig Wilhelm: Handbuch für Reisende durch Deutschland. Dritter Theil, welcher als Fortsetzung des zweyten Kapitels die Lausitz, die kurhannöverschen Staaten und eine umständliche Topographie des ganzen Harzes enthält. - IV + 856 S.; Leipzig (Schwickert) 1795. 8º. (S. 412-414) 1870 Groddeck, Albrecht von: Mittheilung an Prof. H. B. Geinitz, Clausthal, den 20. December 1869 (über im Frühjahr 1869 bei Förste/Osterode gefundene Großsäugerknochen).- N. Jb. f. Min. Geol. & Pal., Jg. 1870, S. 327-330; Stuttgart (Schweizerbart)1870. 8º. 1808 Hausmann, J. v.: Etwas über die fossilen Überreste von Thieren der Vorwelt nebst der Nachricht von einem beider Wilhelmshütte gefundenen fossilen Elephanten-Backenzahn. - Braunschweigisches Magazin, 41. Stück, Sp. 657-670; als Beilage in: Braunschweigische Anzeigen vom 8. Okt. 1808; Braunschweig 1808. 8º. (Sp. 662) 1754 Honemann, Rudolph Leopold: Die Alterthümer des Harzes. - Exemplar mit zwischengehefteten Seiten handschriftlicher Notizen des Verf. über die Knochenfunde von 1751, Bibl. d. Oberbergamtes, Clausthal-Zellerfeld (S. 2 f.). 1753 Hollmann, Samuel Christian: Ossium fossilium, insolitae magnitudinis, in (1753a) praefectura vicina Herzbergensi a. 1751.e marga erutorum, descriptio. (Lecta die VIII. Januar). - Commentarii Societatis Regiae Scientiarurn Gottingensis, Tom. II, ad annum 1752, S. 215-241; Göttingen (Vandenhoeck) 1753. 4º. Reprint Nendeln / Liechtenstein (Kraus) 1972.4º. 1753 Hollmann, Samuel Christian: De ossibus fossilibus, in praefectura Herzbergensi (1753b) repertis, altera dissertatio. (Lectad. 1.Jul.). - Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis, Tom.1I, ad annum 1752, S. 242-280, Tab. I-III; Göttingen (Vandenhoeck) 1753. 4º. Reprint Nendeln / Liechtenstein (Kraus) 1972. 4º. 1776 Hollmann, Samuel Christian: Zufällige Gedanken über verschiedene wichtige Materien. - Sechste und letzte Sammlung, zweyter Anhang (Von vergrabenen großen Knochen), S. 171-185; Frankfurt und Leipzig 1776. 8º 1976 Jahnke, H. & Denecke, D.: Neue Funde von Fauna des Jungpleistozäns bei Osterode. - Heimatblätter für den süd-westl. Harzrand, H. 32, S. 48 60, 5 Abb., 1 Taf.; Osterode (Heimat- u. Geschichtsverein Osterode) 1976. 80. (S. 59 f.: Lit.-Verz.) 1750 Knorr, Georg Wolfgang: Sammlung von Merckwürdigkeiten der Natur und (1769) den Alterthümern des Erdbodens, zum Beweis einer allgemeinen Sündfluth ... - 1. Bd., 36 S. 38 Taf.; Nürnberg (Selbstverlag) 1750, ersch.1755. 2º. 1769-73 fortgeführt mit Teil 2-4 als: 1823 Krüger, J. F.: Geschichte der Urwelt. In Umrissen entworfen von J. F. Krüger. - 2. Theil, 861 S. Quedlinburg & Leipzig (G. Basse) 1823. 80. (S.804, 824 f.) 1968 Kurten, Björn: Pleistocene Mammals of Europe. - 317 S.; London (Weidenfeld & Nicolson) 1968. 4º. 1782 De Luc, Johann Andreas: Physikalische und moralische Briefe über die Geschichte der Erde und des Menschen an Ihro Majestätdie Königin von Großbritannien. - 2. Bd. (aus d. Franz. m. einiger Abkürz. übers.), 112. Brief, S. 229 ff.; Leipzig (Weidmanns Erb.u. Reich) 1782. 80. (S. 232 f.) 1786 Meinecke: Zur Erläuterung einiger Punkte im 3ten Stück dieses Magazins von diesem Jahre. - Hannovensches Magazin, Bd. 24, Stück 35, Sp. 545-552; Hannover 1. Mai 1786. 80. (Sp. 545,550 f.) 1748 Ritter, Albert: Supplementa scriptorum suorumhistorico-physicorum ... una cum syllabo fossilium Carlshüttensium... - 120 S., m. Kupfern; Helmstedt (Leuckart) 1748. 8º (S. 102; Fund eines Molaren von 3,5 Pfd. einer Mergelgrube bei Düna ao. 1724). 1663 (1752) Scheffer, August: Harzreise 1663 (ungef.Titel). - (Einige, z. T. gekürzte Kapitel aus der Scheffer'schen Reisebeschreibung von Halle bis Clausthal, erstmalig gedruckt nach der von M. Kreissig, Dresden, übersandten Handschrift Scheffer's und mit einem eigenen Vorwort versehen durch:) C. G. Grundig (Hrsg.): Neue Versuche nützlicher Sammlungen zur Natur- und Kunst-Geschichte, sonderlich von OberSachsen. - 23. Theil, No. I., S. 943-974; Schneeberg (C. W. Fulden)1752. 8º. (S. 951 f.:Funde von 1663 od. zuvor vom Nüllberg: Horn, Zähne und eine Tibiavom Rhinozeros). 1978 Schönfelder, Peter: Vegetationsverhältnisse auf Gips im südwestlichen Harzvorland. - Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen, H. 8, 110 S., zr. Abb. u. Tab.; Hannover (Nieders. Landesverw.-Amt) 1978. 4º. (S. 17) 1963 Sickenberg, Otto: Neue Funde von eiszeitlichenSäugetieren bei Osterode. - Heimatblätter für den süd-westl. Harzrand, H. 13, S. 21-25; Osterode (Heimat- u. Geschichtsverein Osterode)1963. 8º. (S. 21). 1969 Sickenberg, Otto: Die Wirbeltierfaunen der Höhlen und Spalten des Harzes und seines südlichen Vorlandes.- Jh. Karst- u. Höhlendkd., H. 9, S. 91-106; München (Mangold/Blaubeuren)1969. 8º. (S. 102-106) 1883 Struckmann, Carl: Die Einhornhöhle bei Scharzfeld am Harz - Ein Beitrag zur Urgeschichte des nordwestlichen Deutschlands.- Arch. f. Anthropologie, Bd. XIV, S. 191-234, Taf. VIII-X; Braunschweig (Vieweg) 1883. 40. (S. 191 ff.) 1884 Struckmann, Carl: Uber die bisher in der Provinz Hannover aufgefundenen fossilen und subfossilen Reste quartärer Säugethiere.- 33. Jber. d. Nat.-Hist. Ges. Hannover (f. 1821-83), S. 21-54; Hannover (Hahn) 1884. 4º. (S. 29, 47-49) 1785 Treba, Friedrich Wilhelm Heinrich: Erfahrungen vom Innern der Gebirge, nach Beobachtungen gesammelt und herausgegeben von F. W. H. v. Trebra. - 244 S. 5 col. Vign., 8 Taf.; Dessau und Leipzig (auf Kosten d. Verlagskasse f. Gelehrte u. Künstler) 1785. 20. (S.115) 1835 Wächter, Karl: Über die Lagerstellen fossiler Thierknochen, vorzüglich im Königreiche Hannover und Herzogthume Braunschweig. - Hannoversches Magazin, Nr. 65 - 70, S. 513-518, 520-555, Taf. I -III; Hannover 1835. 8º. (S. 528, 532, 538,546) 1808 Weppen, J. A.: Nachricht von einigen besonders merkwürdigen Versteinerungen und Fossilien seines Kabinets. - In: Leonhard, C. C. (Hrsg.): Taschenbuch für die gesamte Mineralogie, 2. Jg., S. 158-179; Frankfurt am Main (Hermann) 1808. 8º. (S. 159) 1834 Zimmermann, Christian: Das Harzgebirge, inbesonderer Beziehung aus Natur- und Gewerbskunde geschildert. - 2 Teile, 596 S.; Darmstadt (Leske) 1834. 8º. (S. 45) |