Mitt. Verb. dt. Höhlen- u. Karstforscher
45(3)
128-131
München 1999

Zur Entdeckung der bronzezeitlichen Funde in der Lichtensteinhöhle bei Osterode am Harz im Jahre 1980

von
Uwe Fricke

Zusammenfassung
Im März 1980 gelang den Höhlenforschern der heutigen Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. in der Lichtensteinhöhle bei Osterode am Harz eine sensationelle Entdeckung. Hinter einer Engstelle einer bis dahin 48 m langen Zechsteingips - Höhle entdeckten die Forscher eine ca. 3000 Jahre alte, unversehrt gebliebene Opferstätte. Nach den archäologischen Untersuchungen ist die Lichtensteinhöhle in der Zeit zwischen dem 10. Jahrhundert und etwa 700 v. Chr. Als Opferstätte benutzt worden.

In der Höhle fanden sich bis zum heutigen Zeitpunkt insgesamt 23 Individuen, davon 9 weibliche und 14 männliche. Die archäologischen Untersuchungen ergaben dank der modernen DNA (DNS) - Analysetechnik, daß die meisten Opfer jünger als 40 Jahre waren. (FLINDT & LEIBER 1999).

Dieser Bericht soll insbesondere die Tage der Entdeckung detaillierter schildern, da bislang die Einzelheiten der Entdeckung aus Höhlenschutz- und Grabungsschutzgründen nicht publik gemacht worden sind.

Summary
In march 1980, members of the the Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. caving club and the private caver Kathrin von Ehren made a sensational discovery in the Lichtenstein Cave near Osterode am Harz. Behind a tight squeeze in the then 48 m long zechstein gypsum cave, a 3000 year old undisturbed sacrificial place was found. According to the archeological investigations, the Lichtenstein Cave has been used between 1000 and 700 BC. 23 individuals were found in the cave up to day, 9 females and 14 males. Most victims were younger than 40, as the DNA analysis method showed (FLINDT & LEIBER 1999). The paper reports details of the discovery.

Résumé:
En mars 1980 des membres de la ArGKH e.V. avaient fait une découverte sensationnelle dans la Grotte „Lichtensteinhöhle“. La grotte est creusée dans le „Zechsteingips“ (Permien supérieur: Thuringien). Derrière une étroiture sevère de la grotte avec jusqu'ici une longeur de 48m) il trouvaient un lieu de sacrifice, indemne depuis 3000 ans. Après des études archéologiques la grotte était un lieu de sacrifices humaines entre le dixième siècle et 700 avant Chr.

On a trouvé jusqu'à aujourdui 23 squelettes humaines, dont 9 femelles et 14 masculins. Les études archéologiques montrent, grace à des analyses de DNA (DNS), que la plupart étaient agés de moins de 40 ans (Flint & Leiber 1999).

Ce rapport est en particulier destiné à raconter plus détaillé les jours de la découverte. Jusqu'à aujourdui les détails n'étaient pas connus à cause de la protection des fouilles archéologiques.

Einleitung:
Die Lichtensteinhöhle1liegt am Nordwesthang des knapp 262 m hohen Lichtensteins bei Osterode am Harz. Die Höhle ist hangparallel im Zechsteingips angelegt. Sie wurde im Frühjahr 1972 von den Heimatforschern D. Friebe, H. Peinemann, und U. Wagner entdeckt. Am 10. Februar 1972 erfolgte die erste Vermessung durch D. Friebe, F. Reinboth, W. Ricken und F. Senftleben. Am 21. März 1973 wurde die Höhle wegen ihrer Gipssinterbildungen durch die Arbeitsgemeinschaft für niedersächsische Höhlen (heute: Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V.) mit einer Tür verschlossen. Der Verschluß mußte nach einem durch Jugendliche verübten Einbruch am 10. Oktober 1974 erneuert werden. Am 15. November 1974 wurde die Höhle auf Antrag von D. Friebe (Antrag vom 14. Oktober 1974) als Naturdenkmal einstweilig sichergestellt. Die endgültige Sicherstellung der Höhle und Erklärung zum Naturdenkmal erfolgte durch Verordnung am 1. Mai 1981. Den Zugang zur Höhle regelt jetzt der Landkreis Osterode am Harz.

Im März 1980 konnte durch eine Entdeckung durch die Höhlenforscher Firouz Vladi und Katrin von Ehren die bis dahin 48 m lange, extrem enge Höhle auf insgesamt 118 m Gesamtganglänge erforscht werden. Aufgrund der in der Höhle gemachten bronzezeitlichen Funde gehört die Lichtensteinhöhle seitdem zu den bedeutendsten archäologischen Fundstätten in Niedersachsen.

Abb. 1: Blick auf den Lichtenstein bei Osterode / Dorste
(Foto: Fricke 1980)

Mittlerweile entstand eine Fülle von Publikationen zu den Funden der Lichtensteinhöhle, darüber hinaus mehrere Fernsehberichte sowie eine zeitlich begrenzte Ausstellung. Das Braunschweiger Landesmuseum präsentiert in der Zeit vom 13.12.98 bis zum 25.04.99 eine Sonderschau unter dem Thema „Kulthöhlen und Menschen-opfer im Harz, Ith und Kyffhäuser“. Aus folgenden Höhlen werden Untersuchungsergebnisse dargestellt: Baumannshöhle, Hermannshöhle, Einhornhöhle, Steinkirche, Jettenhöhle, Lichtensteinhöhle, Nasensteinhöhlen und Kyffhäuserhöhlen. Um das Material, insbesondere die Zeit der Entdeckung, detaillierter darzustellen, soll hier der damals erstellte Befahrungsbericht in überarbeiteter Form vorgestellt werden. Bislang wurde der Bericht aus Höhlen- und Grabungsschutzgründen nicht veröffentlicht. 1992 drangen Raubgräber in die Höhle ein und richteten unermeßlichen Schaden an. Leider konnten die Täter nie ermittelt werden. Bedingt durch eine groß angelegte Pressekampagne bekamen die Täter allem Anschein nach ein schlechtes Gewissen und der Großteil der geraubten Funde wurde Monate später anonym zurückgegeben.
 

Abb. 2: Der gesicherte Eingang in die Lichtensteinhöhle
(Foto: Fricke 1980)
 

Befahrungsbericht vom 15. März 1980

Vorgeschichte:
Der im folgenden beschriebenen Befahrung waren schon 2 Exkursionen am 2. März und am 9. März 1980 vorausgegangen. Bei der Befahrung am 2. März 1980 entdeckte Katrin von Ehren auf Anregung von Firouz Vladi hinter einer zum damaligen zeitpunkt noch unschliefbaren Spalte mehrere menschliche Knochen. Am 9. März 1980 befuhren Helmar Spier, Firouz Vladi und Uwe Fricke die Lichtensteinhöhle, hierbei konnten Katrin von Ehrens Angaben bestätigt werden. Wir sahen, nachdem die äußerst enge Schlufstrecke überwunden war, hinter einer unschliefbaren Engstelle Teile eines menschlichen Skeletts. Es ließen sich Ober- und Unterarmknochen sowie Oberschenkelknochen und mehrere Rippen, zudem ein Unterkiefer erkennen. Alle Objekte lagen verstreut unter einem verstürzten Schacht (damals betrachtete man den Schacht noch als Schlot). Der Schädel bzw. der Oberkiefer befand sich oben, verklemmt im Schacht, zwischen dem Blockwerk. Helmar Spier fotografierte unter äußerst schwierigen Bedingungen die Fundstelle.
 

Abb. 3: Der sehr enge Zugang kurz vor der Entdeckungskluft
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb. 4: Im Hintergrund kann man die Situation mit den Knochen sehen, so wie sie sich den Entdeckern im Feb. 1980 darstellte.
(Foto: Helmar Spier 1980)

Hauptentdeckung:

Eine Woche später, am 15. März 1980, trafen sich Firouz Vladi, Ernst und Bernhard Schuhose und Uwe Fricke erneut am Lichtenstein, um die Fundstelle noch einmal genauer zu betrachten. Von dieser Befahrung soll nun im folgenden detaillierter berichtet werden.

Gegen 13.00 Uhr fuhren die Teilnehmer in die Höhle ein. Nachdem die extreme Eingangsengstelle überwunden war, gelangten wir in den „Gigantendom“. Dieser Teil war der bislang größte Raum in der Höhle, er bot gerade mal 4 Personen Platz und seine Namensgebung ist ironisch zu verstehen. Nach ca. 15 Minuten Kriechen und Quetschen gelangte man zum damaligen Ende der Höhle. Die vielen Schlufstrecken waren nicht nur wegen ihrer Enge, sondern auch wegen der vielen scharfkantigen Gipskristalle äußerst unangenehm.

Abb. 5: Das Foto zeigt die räumliche Enge im vorderen Höhlenteil
(Foto: Helmar Spier 1980)

Uwe Fricke begab sich sofort in den engen Endschluf, welcher bei der Befahrung am 9. März von Helmar Spier etwas erweitert worden war, um noch einige Fotos von der Fundstelle zu machen. Die Aufnahmen waren wohl die mühsamsten fotografischen Eskapaden, die von den beteiligten Höhlenforschern jemals gemacht wurden. Nachdem Uwe Fricke aus dem Schluf zurückgekrochen war, arbeiteten sich Bernhard Schuhose und Firouz Vladi bis zur Engstelle kurz vor der Knochenfundstelle vor. Die beiden erweiterten die letzte Engstelle ein wenig, so daß der im Alter von 15 Jahren noch besonders schlanke Bernhard Schuhose nach dem Ablegen der Oberbekleidung hindurchkriechen konnte. Da man schon am 9. März eine Lageskizze der Knochen angefertigt hatte und es als unwahrscheinlich erschien, daß bis hierher jemals ein Archäologe vordringen könnte, entschloß man sich, die Knochen abzubergen. Die Bergung der Knochen war eine ungeheuer mühselige Angelegenheit. Jeder mußte, immer mit ein paar Knochenstücken in der Hand, einige Zentimeter zurück schlufen, um dort dann ein kleines Knochensammellager einzurichten. Hatten sich genügend Knochen angesammelt, wurde erneut einige Zentimeter zurückgeschluft, um dann erneut eine Sammelstelle einzurichten. Diese Methode wurde solange fortgesetzt, bis sämtliche Knochen die Engstelle passiert hatten. Hinter der Engstelle wurden die Fundstücke dann vorsichtig gelagert.

In der Zwischenzeit hatte Bernhard Schuhose schon Knochenteile eines zweiten menschlichen Skeletts gefunden, sowie einen zweiten menschlichen Schädel. Besonders groß war die Freude, als Bernhard Schuhose mehrere kleine Bronzeringe auf der Höhlensohle fand. An einem etwas größeren Bronzedrahtring befand sich sogar noch ein Stück Geweberest. Dieser Geweberest konnte sich vermutlich nur erhalten, weil das abgesonderte Kupfervitriol (wasserhaltiges Kupfersulfat) das Gewebe an dieser Stelle konservierte. Nach ca. 2 Stunden hatte Bernhard Schuhose alle Knochen und Bronzereste aufgelesen und es wurde mit dem Transport der Fundstücke in Richtung Höhlenausgang begonnen. Da eine Bergung der Knochen zuvor nicht geplant war, mußte zunächst überlegt werden, in welchen Behältnissen man die Knochen unbeschadet aus der Höhle heraus transportieren könnte. Die Wahl fiel auf die mitgeführten, mit Schaumstoff ausgekleideten Fototrommeln. Kurzerhand wurden die Fotogeräte in der Höhle gelagert und die Knochen sorgfältig in den Trommeln verstaut. Schwierigkeiten machte nur ein Schädel, welcher um nichts auf der Welt in die Trommel hinein passen wollte. Aber auch dieses Problem wurde gemeistert. Kurzerhand wurde der Helm von Firouz Vladi zum „Schädeltablett“ umfunktioniert und somit das Fundstück unbeschadet zum Höhlenausgang geschafft. Nachdem alle Knochenreste aus der Höhle transportiert waren, wurden diese fein säuberlich auf der Rücksitzbank von Ernst Schuhoses VW-Bus drapiert und mit einer Decke abgedeckt.

Firouz Vladi und Uwe Fricke gingen noch einmal zurück in die Höhle, um die Fotogerätschaften zu holen. Dabei sollte die Fundstelle noch einmal nach eventuell übersehenen Knochenstücken abgesucht werden. Ernst und Bernhard Schuhose begaben sich in der Zwischenzeit auf den Lichtenstein, oberhalb der Höhle. Sie wollten dabei eine vermutete Rufverbindung nach Untertage in die Höhle herstellen, da man der Annahme war, die Skelettreste seien durch einen Opferschacht (offener Schlot o.ä.) in die Höhle hineingelangt. Eine Rufverbindung konnte nicht hergestellt werden, jedoch war eine Verständigung mittels Klopfzeichen möglich.

Zurück zum Geschehen in der Höhle. Nachdem Firouz Vladi sich durch die Engstelle am Ende der Höhle geschoben hatte, durchsuchte er sehr genau den Höhlenboden. Er fand aber bis auf einige kleinere Knochenstücke nichts mehr. Er versuchte nun die weitere Fortsetzung der Höhle zu erforschen. Sie wurde hier jedoch immer enger, so daß nur noch ein schmaler Spalt verblieb. An dieser Stelle wurde die Weiterforschung eingestellt. Aber etwas Besonderes an diesem Spalt soll hier noch genannt werden. Da der Spalt nicht befahren werden konnte, wurden mehrere kleine Steine hinein geworfen. Nach kurzer Zeit fielen die Steine auf eine wahrscheinlich hohl liegende Gipssinterdecke. Beim Hineinrollen der Steine ergab dies ein Geräusch, als wenn man einen Stein auf einen leeren Kunststoffkanister wirft. Auch geologisch-mineralogisch gesehen war diese Stelle hochinteressant, da man hier mehrere größere Gipsstalaktiten und Gipsstalagnaten antraf. Als wir erkannten, daß ein Weiterkommen in horizontaler Richtung nicht möglich war, richteten wir das Augenmerk auf den verstürzten Schlot. Firouz Vladi begann damit, die verklemmten Steine zu entfernen und Uwe Fricke erweiterte die eingangs beschriebene Engstelle. Während des Ausräumens des Schlotes tauchten immer mehr menschliche Knochen auf. Nach einiger Zeit stand fest, daß man schon ein drittes und sogar ein viertes Skelett gefunden hatte. Die weitere Wühlerei zog sich über Stunden hinweg, bis plötzlich Ernst und Bernhard Schuhose wieder in der Höhle erschienen und sich besorgt nach dem Verbleib der anderen Befahrungsteilnehmer erkundigten. Es war inzwischen kurz nach 20.00 Uhr. Wir ließen uns aber von der fortgeschrittenen Zeit nicht beeindrucken und arbeiteten weiter. Gegen 21.00 Uhr war es dann soweit, Firouz Vladi konnte in einen großen Raum durch den ehemaligen Schlot, welcher nun ein Schacht war, gelangen. Uwe Fricke folgte ihm sogleich. Nachdem wir den Raum betreten hatten, stockte uns der Atem. Mehrere menschliche Skelette, ca. 3 bis 4 an der Zahl, lagen teils geordnet, teils zerstreut im Raum herum. Dabei lag noch ein großer Tierschädel (vermutlich Rind o.ä.) sowie große Mengen Bronzeringe. Darunter zwei besonders gut erhaltene, ca. 6 mm starke und 5 bis 6 cm durchmessende, offene, sich am Ende verjüngende Bronzearmreifen.
 

Abb. 6: Gut zu erkennen sind die bronzenen Armreifen und Ringe, die verstreut auf der Höhlensohle liegen
(Foto: Helmar Spier 1980)


Am rückwärtigen Ende dieses Raumes befand sich zudem noch ein künstlich zugepackter, vermutlich ehemaliger Eingang zu dieser Höhle. Von diesem Zeitpunkt an wußten wir, daß ein sehr wichtiger und wertvoller Fund gemacht war und kein Stück mehr in dieser vermutlich bronzezeitlichen Kult- oder Grabkammer verändert werden durfte. Es war uns nunmehr klar, daß hier jetzt Fachleute ans Werk mußten.

Abb. 7: Menschlicher Schädel, stark mit Gipssinter überkrustet
(Foto: Helmar Spier 1980)

Um den weiteren Verlauf der neuen Höhle zu erkunden, drangen wir weiter in die Höhle vor. Dabei entdeckten wir eine vermutlich künstlich geschlossene Fortsetzung der Höhle und einen geräumigen weiterführenden Gang. Dieser Gang führte in einen noch größeren Raum. In diesem lagen wiederum mindestens 4 gut erhaltene menschliche Schädel sowie Knochenstücke und Bronzereste. Uwe Fricke gelangte aufgrund einer sehr engen Passage und wegen seiner langen Beine nicht mehr in diesen Raum hinein, es war nur noch ein Hineinschauen möglich. Firouz Vladi konnte jedoch noch einige Meter weiter in die neuen Höhlenteile hineinkommen und entdeckte noch einen zweiten, wiederum mit Steinen verschlossenen vermutlichen Höhleneingang.

Abb. 8: Menschlicher Schädel. Viele Knochen lagen wahllos verstreutin den flach auslaufenden Spalten der größeren Räume
(Foto: Helmar Spier 1980)

Da es bereits 22.30 Uhr geworden war, begaben wir uns zurück zum Höhleneingang. Gegen 23.00 Uhr erreichten alle Teilnehmer, zwar etwas zerschunden, jedoch von einer tiefen inneren Freude über die Entdeckung ergriffen, den Höhlenausgang. Ernst und Bernhard Schuhose, die zwischenzeitlich, vor der Entdeckung ausgefahren waren, wurden sofort von den neuen Erkenntnissen unterrichtet. Nachdem sämtliches Material verpackt war, traten wir die Rückfahrt nach Düna an. Während der Fahrt kam ein etwas mulmiges Gefühl auf. Was sollte man bloß erzählen, wenn man plötzlich wider Erwarten in eine Polizeikontrolle kommen würde und von den Beamten auf die im Font des Wagens plazierten Schädel angesprochen worden wäre? Aber zum Glück verlief die Rückfahrt ohne Zwischenfälle.

In Düna bei Firouz Vladi angekommen, wurde das Material ausgeladen und zwischengelagert. Am darauffolgenden Werktag erfolgte die Weiterleitung der Funde an das Institut für Denkmalpflege in Hannover. Abschließend muß betont werden, daß es dem „Riecher“ von Firouz Vladi zu verdanken ist, daß diese Funde gemacht wurden. Die Entdeckung insgesamt war jedoch nur im Team möglich.

Abb. 9: Teilweise waren die Knochen zu regelrechten Anhäufungen aufgeschichtet
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb. 10: Menschliche Langknochen in der Fiddikluft
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb.11: Torsionsartig abgescherter Knochen. Als Größenvergleichdient das Streichholz
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb.12: Reste eines menschlichen Schädels, zum Teil schon dick mit Gipssinter überzogen
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb. 13: Ein komplettes Skelett in ungestörter Lage in der Grabkammer
(Foto: Helmar Spier 1980)

Abb. 14: Die während der Notbergung eingesammelten Knochen, auf der Rücksitzbank des VW-Busses
(Foto: Uwe Fricke 1980)

Abb. 15: Die abgeborgenen Schädeln stammten offensichtlich von sehr kleinen Individuen
(Foto: Uwe Fricke 1980)


Literatur

FLINDT, S. & LEIBER, C. (1998) Kulthöhlen und Menschenopfer im Harz, Ith und Kyffhäuser.- Hrsg.: Landkreis Osterode am Harz. Mitzkat, Holzminden

KEMPE, S. & VLADI, F. (1988) Die Lichtenstein - Höhle.- Heimatblätter für den südwestlichen Harzrand, Heft 44: 1-11

MAIER, R. & LINKE, F.A. (1985) Die Lichtensteinhöhle bei Dorste, Stadt Osterode am Harz. - Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen, Beiheft 1: 150-154, 9 Abb. ; Stuttgart (Theiss)

 Danksagung:
Abschließend möchte ich mich bei Herrn Friedhart Knolle für die Korrekturlesung und die englische Übersetzung, bei Herrn Michael Krause für die französische Übersetzung, sowie Herrn Ernst Schuhose für sachliche Ergänzungen recht herzlich bedanken.

Anmerkung:
Auf den ersten Blick, erscheint dem Leser die Tatsache, daß während der Entdeckung einige der Knochen aus der Lichtensteinhöhle durch die Höhlenforscher abgeborgen wurden als unseriöse Maßnahme. Hierzu bleibt anzumerken, daß die damals tätigen Forschern sich sehr wohl der Problematik einer Bergung der Knochen bewußt waren und die Arbeiten mit Wissen der Kreisarchäologie und unter der Anleitung eines leitenden Mitarbeiters der Unteren Naturschutzbehörde durchgeführt wurden. Zum damaligen Zeitpunkt drohte der Lichtensteinhöhle akute Abbaugefahr durch einen nahegelegenen Gipssteinbruch und mit Hilfe dieser Funde konnte einer frühzeitigen Zerstörung der Höhle entgegengetreten werden. Wie eng damals die Höhle im Entdeckungsabschnitt war, können nur diejenigen beurteilen, die an der Entdeckung teilgenommen haben. Nur durch die extreme Gelenkigkeit der Höhlenforscherin Katrin von Ehren und Bernhard Schuhose war es überhaupt möglich, an die Knochen heranzukommen. Eine Ausgrabung nach heutigen Gesichtspunkten ist erst möglich geworden, nachdem ein mehrere Meter langer Zugangsstollen vom Hang her in die Höhle vorgetrieben wurde. Da die Entdeckungsfundstelle durch natürliche Rutschungen komplett in ihrer ursprünglichen Lage zerstört war, konnte mit ruhigem Gewissen eine Notbergung der Knochen durchgeführt werden, zumal die Lage der Funde zuvor akribisch und maßstäblich aufgezeichnet und fotodokumentiert wurde.

Anschrift des Verfassers:
Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V.
Uwe Fricke
Amtswiese 17
38667 Bad Harzburg
email: Frickespel@aol.com

1 Früher hieß die Höhle Rotkamphöhle. Die Umbenennung war erforderlich, weil der Lichtenstein in der Gemarkung Dorste liegt, die Flurbezeichnung „Roter Kamp“, Gemarkung Förste, aber in keinem Zusammenhang mit der Höhle steht. Eine früher bei Reinboth (1969) erwähnte „Lichtensteinhöhle“ geht auf Berichte aus der Nachkriegszeit zurück. Es muß sich um eine nicht erforschte und dokumentierte, zwischenzeitlich abgebaute Höhle im Gebiet des Steinbruches „Gipswerk Niedersachsen“ gehandelt haben (nach Kempe & Vladi 1988).


Wir danken der Schriftleitung der Mitteilungen des Verbandes deutscher Höhlen- und Karstforscher für die freundliche Genehmigung, diesen Beitrag ebenfalls veröffentlichen zu dürfen. Weiterer Nachdruck oder Veröffentlichung bzw. Verbreitung in anderen elektronischen Medien nur mit schriftlicher Genehmigung der Schriftleitung.