Karstlandschaft Südharz wird weltweit erstes Biosphärenreservat im Gips

Nach dem Umweltausschuss des Landtages Sachsen-Anhalt hat sich nun auch die Landesregierung für eine Ausweisung der Karstlandschaft Südharz als Biosphärenreservat ausgesprochen. Landwirtschafts- und Umweltministerin Petra Wernicke sagte am 13.1.2009 nach der Kabinettssitzung in Magdeburg, damit erkenne die Landesregierung den Naturreichtum dieser einzigartigen Landschaft an. Ihr Ministerium werde nun das Biosphärenreservat nach Landesrecht ausweisen. Außerdem soll ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet und die Auswirkungen auf die Wirtschaft untersucht werden. Eine Ausweisung als UNESCO-Reservat werde für 2012 angestrebt.

Biosphärenreservate sind großräumige Schutzgebiete, die in ihren Hauptteilen bereits vorhandene Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete zusammenfassen. Mit ihnen werden bestimmte Landschaftstypen und ihre Ökosysteme geschützt. Biosphärenreservate stehen auch für das Miteinander von Mensch und Natur; eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist zu fördern. Die UNESCO strebt ein weltumspannendes Biosphären-Gebietssystem an, das sämtliche Landschaftstypen erfasst. Wernicke: „Auch in den zahlreichen fachlichen Stellungnahmen von überregionalen Einrichtungen, Verbänden und Vereinen wird deutlich, dass wir mit dem Südharz ein herausragendes schützenswertes Kleinod haben. Hier wird es ein Nebeneinander von Natur, Erholung und Wirtschaft geben. Ein Biosphärenreservat ist eine enorme Chance für die Region, Wirtschaft und Tourismus nachhaltig zu entwickeln.“

Nun müsse die Zeit bis 2012 für Überzeugungsarbeit in den Kommunen genutzt werden, die das Reservat noch ablehnten. Eine Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat erfordere, so schreibe es die UNESCO vor, ein einstimmiges Bekenntnis durch die Gemeinden in der Region. Die Anhörungen zeigten jedoch, dass Zustimmung und Ablehnung der 16 beteiligten Kommunen sich die Waage halten. Die Ministerin appellierte an die Gegner des Projektes, sich offen und vorurteilsfrei den guten Argumenten für ein Biosphärenreservat zu stellen. Trotz jahrelanger Diskussionen würden immer noch längst widerlegte Behauptungen vorgetragen. So sei ein Hauptargument die Befürchtung von zusätzlichen Bewirtschaftungsbeschränkungen. In der Allgemeinverfügung stünden jedoch keine neuen Auflagen. Die Ministerin betonte: „Nach der Ausweisung des Biosphärenreservats ist lediglich die Umsetzung des Kernzonenkonzepts einzuleiten. Und das betrifft nur Landesflächen!“ Es würden also keine Interessen von Kommunen oder Privaten berührt. Die nationale Ausweisung der Natura-2000 Flächen gemäß Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt im Gebiet beruhten auf gesetzlicher Verpflichtung und müssten daher umgesetzt werden - mit oder ohne Biosphärenreservat. Dadurch eventuell mögliche Einschränkungen für Landnutzer und Landeigentümer seien nicht der Ausweisung eines Biosphärenreservats oder der Einordnung der entstehenden Schutzgebiete in die Zonierung des Biosphärenreservates anzurechnen.

Das Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate umfasst 531 Biosphärenreservate aus 105 Staaten, 13 davon in Deutschland. Sachsen-Anhalt verfügt über zwei Biosphärenreservate: Das von der UNESCO international anerkannte länderübergreifende Biosphärenreservat "Flusslandschaft Elbe" erstreckt sich über 400 Kilometer entlang der Elbe. Es ist das größte Großschutzgebiet in Deutschland, an dem fünf Bundesländer beteiligt sind. Sachsen-Anhalt stellt mit rund 240.000 ha den größten und bedeutsamsten Teil. Etwa die Hälfte der Fläche, ca. 126.000 ha, sind in einem ersten Schritt als Biosphärenreservat „Mittelelbe“ per Allgemeinverfügung erklärt. Das Biosphärenreservat "Karstlandschaft Südharz" (in Gründung) umfasst mit 30.034 ha sechs Naturschutzgebiete, sechs NATURA 2000-Gebiete und ein Landschaftsschutzgebiet. Es zeichnet sich durch die für Europa einmalige Gipskarstlandschaft aus. Geologische Vielfalt, verschiedene Klimastufen und eine jahrhundertelange extensive Landnutzung haben eine Vielzahl wertvoller Lebensräume hervorgebracht. In dem Gebiet finden sich mehr als 1450 Pflanzenarten, unter ihnen 27 Orchideen. Unter den seltenen Tierarten sind Hirschkäfer, Feuersalamander, Schwarzstorch, Wanderfalke und Uhu. Hier finden sich ideale Bedingungen für Fledermäuse, von denen Fachleute hier 19 Arten zählen. Insbesondere der Südharz beherbergt die größte Wildkatzenpopulation Norddeutschlands. Seit den 1980er Jahren wird nach einer Möglichkeit gesucht, Schutz der Natur und Entwicklung der Region langfristig und großräumig zu gestalten. 1992 beschloss die Landesregierung, Rahmenbedingungen für die Errichtung eines Biosphärenreservates zu schaffen, damals noch unter Beteiligung von Thüringen und Niedersachsen. Die beiden Länder stiegen später aus, 2007 kam die endgültige Absage. 2002 nahm die Biosphärenreservatverwaltung in Roßla ihre Arbeit auf.

(nach einer Pressemitteilung der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt)