Wissenschaft meets TV am Bartolfelder Westerstein

Als der Südharz bei Kairo lag


Auf der geführten Sonntagswanderung am 27. Juli 2014 unter Leitung von Prof. Josef Paul, Geologe der Universität Göttingen, ging es 250 Millionen Jahre zurück in die Erdgeschichte, als der Südharz noch in einem warmen seichten Meer lag, etwas südlich von Kairo, und an dessen Gestaden Riffe wuchsen.

Die tropischen Meere sind heute voller Riffe: Korallenriffe mit buntem Tierleben. Vor 250 Millionen Jahren waren es keine Korallen sondern unscheinbare Bakterienrasen (Cyanobakterien), die auf Untiefen dicht unter der Meeresoberfläche Kalkschicht über Kalkschicht bildeten, die sich zu harten Felsgebilden, sogenannten Stromatolithen, entwickelten. Man kann mit bloßem Auge diese im Gestein herausgewitterten Strukturen sehen. Bei geologischen Untersuchungen wurden im Bereich der brandungsabgewandten geschützten Riffrückseite einige Muschelarten und eine Schneckenart gefunden.


Wo die Passatwinde brandeten:
Klima vor 250 Millionen Jahren

Das war aber noch kein Schnorchelparadies! Anhand der fossilen Strukturen im Riff zeigte der Wissenschaftler, dass das Meer soweit übersalzen war, dass nur sehr wenige Tierarten, die heute als Fossilien in den Felsen ruhen, leben konnten. Das damalige Klima war geprägt von den Passatwinden, die damals wie heute in diesen Breiten zwischen Äquator und nördlichem Wendekreis aus nördlichen Richtungen heranwehen. So war die Nordseite des bis zu 25 Meter mächtigen Riffs die Brandungszone, was an den Feinstrukturen den bald 60 Gästen im Gelände verdeutlicht werden konnte. Die flachen bis kugelartigen Außenflächen der Riffbildungen konnten der Meeresbrandung gut Widerstand leisten.

Heute besuchen Wissenschaftler aus aller Welt, neuerdings auch Erdölgeologen die Westersteine: Diese Felsen am Südharz sind nämlich das vollständig und besterhaltene Riff aus dieser frühen Zeit der Entstehung des Südharzes im Zechsteinmeer und damit für Europa einzigartig. Erdölbohrungen, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern haben solche Riffe in einigen Tausend Meter Tiefe angetroffen; hier kann man sie nun genau und in vollem Umfang studieren und ihr Werden verstehen.

Die Westersteine sind seit 1980 als Naturdenkmal geschützt. Es soll an den Felsen mit ihren von der Verwitterung herauspräparierten Stromatolithen keinesfalls gehämmert werden. Der Dolomit splittert und die Strukturen verwischen. Zum Klettern sind die Felsen viel zu klein. Die ungestörte Ruhe, die Weiträumigkeit des Landschaftsbildes laden zum Verweilen und Nachdenken über die Entwicklung unserer Heimat am Südharz ein.

Mächtige Felswand: Barbiser Westerstein

Der Karstwanderweg (Erläuterungstafel) führt deshalb an den Westersteinen vorbei. Folgt man diesem von der trockenen Hochfläche der Westersteine hinab nach Bartolfelde, stößt man rechts an einer Wegebiegung an das Ende eines Bachlaufes. Eindrucksvoll hat sich hier in der „Strauth" eine Bachschwinde entwickelt; es ist ein untrügliches Anzeichen für die Verkarstung des Untergrundes mit ihrer unterirdischen Entwässerung.

Weitere Details zum Karstwanderweg, zum aktuellen Wanderprogramm, weiteren Wandervorschlägen und zur Gipskarstlandschaft Südharz unter www.karstwanderweg.de. Ein Blick in diese umfangreiche Internetseite enthüllt bereits, dass der Karstwanderweg ein wahrhafter Themenweg ist, denn er erschließt in seiner Routenführung, mit Erläuterungstafeln und der Internetseite die Vielfalt von Naturkunde, Kultur- und Industriegeschichte sowie den örtlichen touristischen Angeboten samt Gastronomie. Dies zusammenzutragen und mit dem 1. Preis des Regionalverbandes Harz gewürdigt zu finden, das ist die Frucht ehrenamtlicher Arbeit vieler Freunde des Südharzes in der Arbeitsgemeinschaft aus nunmehr drei Jahrzehnten. Dies wird derzeit auch durch das Kamerateam von TV38, Fernsehen zwischen Harz und Heide, in drei Filmbeiträgen zu je einer Dreiviertelstunde dokumentiert. Wann diese ausgestrahlt werden wird noch von der Arbeitsgemeinschaft bekanntgegeben werden.

Mit der Kamera dabei:
TV38 dokumentiert den Karstwanderweg und dessen besondere Events im Südharz


Firouz Vladi, 29.07.14