- Bodenkundlich-geologisches Gutachten -

Auszug vom:

Gutachten zur Erkundung und Bewertung der Nitrataustragsgefährdung der landwirtschaftlich genutzten Böden im Wassereinzugsgebiet Hattorf


 Einführung und Beschreibung des Untersuchungsgebietes

Die zunehmende Gefährdung der Trinkwasserversorgung durch erhöhte Nitratgehalte von über 25 mg NO3/l im Rohwasser alarmiert viele Wasserversorgungsunternehmen. Seit der Herabsetzung des Grenzwertes für Nitrat im Trinkwasser (Bundesregierung, 1986) von 90 mg NO3/l auf 50 mg NO3/l sehen viele Städte und Gemeinden die langfristige Versorgung der Bevölkerung mit gesundheitlich unbedenklichem Trinkwasser gefährdet. Um den Grenzwert im Trinkwasser einzuhalten, sind die Wasserversorgungsunternehmen zum Handeln gezwungen. Das Problem wird häufig nicht auf der Seite der Ursachen bewältigt. Meist wird es verlagert, indem nitratbelastete Wasservorkommen aufgegeben und andere bzw. tiefer liegende Grundwasservorkommen erschlossen werden bzw. nitratarmes Wasser zugekauft und verschnitten wird. Ferner besteht die Möglichkeit, durch Denitrifikationsanlagen den Nitratgehalt unterhalb des Grenzwertes zu senken. Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß Wasservorkommen, die heute als Ersatz genutzt werden, langfristig nicht zur Verfügung stehen. Zur Sicherung der nitratbezogenen Trinkwasserqualität, welche hauptsächlich durch die Landwirtschaft beeinflußt wird, sieht das Niedersächsische Wassergesetz seit dem 20.08.1993 die Möglichkeiten der Durchführung einer bodenkundlichen Standorterkundung sowie der Zusatzberatung der Land- und Forstwirtschaft in Wasservorranggebieten vor. Auf der Grundlage dieser Erkundungsmaßnahmen werden Konzepte zur Sanierung von nitratbelasteten Grundwasservorkommen und zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserversorgung erarbeitet.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund der erhöhten Nitratgehalte im Rohwasser der Wassergewinnungsanlagen des geplanten WSG Hattorf, die die nachhaltige Nutzung des Trinkwasservorkommens gefährden, beauftragte das Staatliche Amt für Wasser und Abfall Göttingen im Dezember 1993 die Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt mit der Durchführung der Begutachtung der Nitrataustragsgefährdung des geplanten WSG Hattorf. Ergebnis dieser Untersuchung ist die Erstellung eines geologisch-bodenkundlichen Gutachtens mit einer Nitrataustragsgefährdungskarte, die hiermit vorgelegt werden. Die Nitrataustragsgefährdungskarte erfaßt die verschiedenen Bodeneinheiten als ein flächenhaftes Mosaik verschiedener Hydropedotope, die in ihrem Nitratrückhaltevermögen qualifiziert werden.
 

Situation der Wasserversorgung der Gemeinde Hattorf

Der Trinkwasserbedarf der Gemeinden Hattorf und Hörden wird durch eine Verbundleitung aus dem Wasserschutzgebiet Nonnenwiese der Stadt Herzberg über Hörden nach Hattorf sichergestellt. Eingebunden in dieses Versorgungssystem sind die vier in der Oderaue gelegenen Brunnen (Brunnen I-IV) östlich von Hattorf. Von diesen Brunnenanlagen werden in der Regel die Brunnen I und IV genutzt, wobei die Förderanlagen abwechselnd eingesetzt werden (Samtgemeinde Hattorf 1995). Die derzeitig geförderte Wassermenge beläuft sich auf ca. 220.000 m/a. Die im Schutzgebietsantrag zugrundegelegte Fördermenge liegt bei 300.000 m/a (Samtgemeinde Hattorf 1990).

Aufgrund einer Befristung der Schutzgebietsausweisung des alten WSG Hattorf ist dies Schutzgebiet seit 1990 nicht mehr in Kraft. In 1990 wurde deswegen von der Samtgemeinde Hattorf als Trägerin der Wasserversorgung ein hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gegeben und der Antrag auf eine Schutzgebietsausweisung gestellt. Gegenwärtig ist also im Wassereinzugsgebiet der Brunnen keine Schutzgebietsverordnung wirksam.

Auf der Basis der abschließenden Fassung des hydrogeologischen Gutachtens (Geosan 1994) wurde von uns das Untersuchungsgebiet parzellenscharf abgegrenzt und wird im Folgenden als "geplantes Wasserschutzgebiet" bzw. "Untersuchungsgebiet" bezeichnet. Das geplante Wasserschutzgebiet umfaßt eine Gesamtfläche von 320 ha, die vorwiegend landwirtschaftlich genutzt wird.

Die langfristige Entwicklung der Nitratbelastung der Brunnenanlagen stellt sich wie folgt dar:
 


Nitratgehalte (mg NO3/l) im Trinkwasser des Brunnen der Gemeinde Hattorf (1973-1994)
(Samtgemeinde Hattorf 1994).
 
Die Probenahme der in Abbildung dargestellten Werte wurde zwischen 1973 und 1994 an Mischwasserentnahmepunkten durchgeführt (Samtgemeinde Hattorf 1994). Die Analysen sind im Rahmen der Routineuntersuchungen vom Hygiene-Institut durchgeführt worden. Im Jahr 1994 wurden von der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt zu vier Terminen Einzelbeprobungen der Brunnen I und IV durchgeführt. Die jeweils zwei Ergebnisse pro Termin sind in der obigen Graphik als Mittelwerte dargestellt. Die Probenahmefrequenz war mit 1-2 Proben pro Jahr zu niedrig, um mögliche jahreszeitliche Schwankungen der Nitratbelastung detailliert abzubilden. Von der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt wurden deshalb 4 Proben verteilt über den Verlauf des Untersuchungsjahres 1994 analysiert.

Insgesamt läßt sich über den Zeitraum von über 20 Jahren ein ansteigender Tendenz-Trend der Nitratgehalte feststellen. Im langjährigen Mittel steigt der Nitratgehalt um 0,75 mg NO3/l und Jahr (vgl. durchgezogene Trendgerade). Während bis 1982 die Nitratkonzentrationen zwischen 10 und 20 mg NO3/l schwankten, liegen danach die Werte regelmäßig über der 20 mg-Marke. Bei einzelnen Messungen wird sogar die 30 mg-Marke überschritten. 1994 wurde im Brunnenwasser ein Nitratgehalt von durchschnittlich 24 mg NO3/l festgestellt. Bei der Beurteilung des jahreszeitlichen Verlaufs läßt sich keine auffällige Verteilung feststellen. Schwankungen der Nitratgehalte lassen sich 1994 kaum nachweisen.
 

Landschaftsräumliche Erfassung des Wassereinzugsgebietes Hattorf

Das Untersuchungsgebiet ist das Einzugsgebiet der vier Wassergewinnungsanlagen westlich von Hattorf mit einer Gesamtfläche von ungefähr 335 ha. Das Kartiergebiet zur Beurteilung der Nitrataustragsgefährdung der Böden beschränkt sich auf die landwirtschaftliche Nutzfläche, die laut Katasterangaben ca. 320 ha umfaßt.

Geographische Lage und Einteilung nach Landschaftsräumen

Das Untersuchungsgebiet befindet sich südöstlich der Gemeinde Hattorf und ist auf der topographischen Karte (TK 25), Blatt Gieboldehausen Nr. 4327 erfaßt. Die Deutsche Grundkarte (DGK 5), Blätter Nr. 16, 17, 22 und 23, zeigt die detaillierte Topographie des Untersuchungsgebietes und ist Kartengrundlage für die Nitrataustragungs- Gefährdungskarte.

Die äußere Abgrenzung des geplanten WSG bildet im Osten der Flurschützengrund und im Westen die östliche Bebauungsgrenze von Hattorf. Von Hattorf nördlich verläuft die Grenze etwas südlich der Kreisstraße K7 und folgt dann dem Verlauf des Höhenweges. Im südlichen Bereich folgt die Gebietsgrenze von Osten kommend zunächst der Eisenbahnlinie Northeim-Nordhausen und greift dann weit in die Oderaue, ohne jedoch ganz an die Oder heran zu treten.

Das Geländeniveau steigt von rund 180 m üNN in Brunnen-Umgebung bis auf über 260 m üNN in der Nordwest-Ecke des geplanten WSG. Das Relief ist deutlich zweigeteilt; zum einen in das sehr ebene Flächenelement der Oderaue und zum anderen in den langgestreckten Rücken im nördlichen Teil des Untersuchungsgebietes.

Die drei Tiefbrunnenanlagen befinden sich am Ortsrand von Hattorf auf den Flurstücken 99, 100 und 103 der Flur 48 in der Gemarkung Hattorf. Untersucht man das Schutzgebiet nach Landschaftsräumen, so sind drei Landschaftselemente zu nennen:

1. Die Aue der Oder:

Der ehemalige Überflutungsbereich der Oder, der ungefähr bis zur Eisenbahntrasse reicht, trägt mit rund 70 ha einen wichtigen Flächenanteil zum Schutzgebiet bei. Über dem Kieskörper im Untergrund, der hier den Grundwasserkörper bildet, sind hier mehr oder weniger mächtige Auenlehme abgelagert. Das relativ ebene Landschaftselement liegt bei etwa 185 m üNN.
2. Das Bergland des Unteren Buntsandstein mit mächtigerer Lößauflage über Terrassenschottern:
Nördlich der Eisenbahnführung bis fast hinauf zum Höhenweg bestimmt ein bis zu 10 m mächtiges Lößpaket über quartären Terrassenschottern und Buntsandstein die ökologisch-hydrologischen Eigenschaften dieser Einheit. Flächenmäßig formt dieses Landschaftselement den größten Anteil am geplanten WSG. Gleichzeitig ist hier die Bodenqualität am besten und die landwirtschaftliche Nutzung am intensivsten.
3. Das Bergland des Unteren Buntsandsteins mit geringer Lößauflage:
Im nordöstlichen Randbereich des geplanten WSG Hattorf dünnt der Löß aus und stattdessen tritt zunehmend der Buntsandstein an die Oberfläche. Die roten, eher flachgründigen Böden fallen von der Ertragsfähigkeit und vom Wasserspeichervermögen her deutlich hinter die des Landschaftselements Nr. 2 zurück.


Klima

Das Untersuchungsgebiet liegt im östlichen Bereich des Klimabezirkes "Oberes Leinebergland", (Deutscher Wetterdienst, 1964).

Die Lage in der zyklonalen Westwinddrift Mitteleuropas begründet die relativ gleichmäßige Niederschlagsverteilung der Region über den Jahreslauf. Die Tabelle zeigt die mittleren monatlichen Niederschläge einiger Wetterstationen in der näheren Umgebung des Untersuchungsgebietes nach unterschiedlichen Quellen.

Deutscher Wetterdienst
1930-1960
Monat
Gieboldehausen

155 m N.N.

Schwiegershausen

185 m N.N.

Osterode, Harz

238 m N.N.

Herzberg

263 m N.N.

Rudolph
1988-93
Hattorf
175 m N.N.
Januar
50
54
69
67
55
Februar
46
51
71
62
42
März
35
36
48
46
66
April
43
49
61
58
40
Mai
56
58
66
65
40
Juni
65
76
86
81
50
Juli
79
87
110
103
76
August
72
79
86
83
51
September
50
56
68
61
75
Oktober
54
61
76
72
56
November
50
55
70
63
76
Dezember
48
52
70
64
93
 
     
Mai-Oktober
376
417
492
465
351
November-April
272
297
389
360
373
Mai-Juli
200
221
262
249
176
 
     
Jahr
648
714
881
825
724
Mittlere monatliche und jährliche Niederschlagshöhen (mm); Quellen: Niederschlagsstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD, 1979), private Aufzeichnungen des Herrn Rudolph aus Hattorf am Harz

Für die folgenden Auswertungen werden die Niederschlagsmengen der Station Schwiegershausen herangezogen. Die Klimadaten der Wetterstation Schwiegershausen weisen im 30-jährigen Mittel einen Jahresniederschlag von 714 mm aus. Bei der Niederschlagsverteilung fallen ein Maximum für die Sommermonate Juni bis August und ein Minimum für das Frühjahr (Februar bis April) auf. Dabei entfallen auf das Winterhalbjahr 297 mm Niederschlag, auf das Sommerhalbjahr 417 mm Niederschlag.

Als Wert für die mittlere Verdunstung kann für das südwestliche Harzvorland mit ca. 550 mm kalkuliert werden (DOMMERMUTH & TRAMPF 1990 und 1991).
 

Vegetation

Die mittel- und langfristige Vegetationsentwicklung des Untersuchungsgebietes ist für die Beurteilung des Stickstoffhaushaltes von großer Bedeutung. Die langfristig ausbalancierten Ökosysteme zeigen bei Nutzungsänderungen Anpassungsschwierigkeiten. Dies äußert sich z. B. bei Umbruch von Grünland in einem lang andauernden und stetigen Stickstoffaustrag, weil der akkumulierte Humus-Stickstoff unter der neuen Nutzung nicht mehr fest genug gebunden werden kann.

Während das Buntsandstein-Bergland mit einer mehr oder weniger mächtigen Lößauflage schon spätestens seit dem Mittelalter bis auf die Niederungen beackert wurde (KURHANNOVERSCHE LANDESAUFNAHME DES 18. JAHRHUNDERTS, 1785), kann man im Überflutungsbereich der Oderaue zwei Teilbereiche unterscheiden. Während die etwas tiefer gelegenen feuchteren Randbereiche der Oderaue überwiegend als ortsnahes Grünland genutzt wurden, wurden die flachgründigen kiesigen Böden der zentralen Oderaue nur ackerbaulich genutzt. Nach Auskunft der Bewirtschafter wurde ein Teil des Grünlandes in den letzten 10 bis 15 Jahren wegen der zurückgehenden Bedeutung der Rindvieh- und Weidehaltung umgebrochen.

Insgesamt werden rund 320 Hektar landwirtschaftlich bewirtschaftet, wovon ca. 22 ha als Grünland und der Rest als Ackerland genutzt werden. Im wesentlichen werden Raps und Zuckerrüben-Fruchtfolgen angebaut. Die Flächenstillegung nimmt rund 10 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ein.
 

Geologie und Bodenbildung

Die Festgesteinsunterlage des größten Teils der TK 25, Blatt Gieboldehausen, bildet der Untere Buntsandstein (GK 25, Erläuterungen 1984; vgl. auch Abbildung 4). Auf den untergelagerten Zechsteinsalzen im Gebiet zwischen Hörden, Hattorf, Wulften und Schwiegershausen erstreckt sich ein geschlossenes Buntsandstein-Plateau bis in eine Höhe von rund 300 m. Südöstlich der Achse Hattorf-Elbingerode erhebt sich die Formation bis zum Ochsenberg als eine isolierte Partie, die zur Oder nach Südwesten einfällt und vom 70 m hohen, schnurgeraden Steilabfall des Rothenberges (Unterer Buntsandstein) begrenzt wird.

Die Formation des Unteren Buntsandsteins gliedert sich in die untere Calvörde-Folge und die obere Bernburg-Folge (RÖHLING, 1993) und umfaßt bei vollständiger Ausbildung eine Mächtigkeit von rund 300 m (siehe Abbildung 5). Hierbei handelt es sich um eine Formation mit Wechselfolgen aus Sand-, Ton- und Schluffstein, die hier flach nach Südwesten einfällt. Die kleinzyklische Gliederung in geringmächtige Sand-, Schluff- und Tonstein-Wechselfolgen ist typisch für die Formation und wurde detailliert mit einer Bohrung in Wulften aufgenommen (BRÜNING, 1986).

In den kalt-trockenen Phasen des Eiszeitalters (Quartär) akkumulierten über dem Buntsandstein aeolisch verlagerte, mächtige Lößpakete. Im Untersuchungsgebiet befinden sich außergewöhnlich mächtige Lößanwehungen im gesamten Bereich des Sattels, der sich zum Ochsenberg hinauf zieht.

Die Talbereiche von Oder und Sieber und das Trockental der Aue sind in Auslaugungsstrecken des Zechsteins angelegt und mit quartären Harz-Schottern verfüllt (Jordan 1979), die in Randbereichen mit den Lößablagerungen verzahnt sind. Die periodisch abgelagerten Schotterkörper, die sich auch unterhalb der mächtigen Lößpakete den Hang hinaufziehen, werden nach ihrem Alter in Nieder- Mittel- und Oberterrasse gegliedert. Abbildung 6 zeigt einen für die Vor-Harzlage typischen Talquerschnitt, der im geplanten WSG Hattorf aufgenommen wurde (RICKEN 1982).

Die holozän einsetzende flächenhafte Erosion führte zur Akkumulation von humosem Oberbodenmaterial in den Tallagen und Erosionsrinnen und schließlich zur Überlagerung der Harzschotter mit diesen Auelehmsedimenten mit Mächtigkeiten im UG zwischen 0,5 m bis zu 3 m (RICKEN 1980 u. 1983).


Das Bohrprotokoll des Brunnen I in Hattorf zeigt ab einer Tiefe von ca. 17 m rote und grau-weiße Ton- und Sandsteinlagen des unteren Buntsandsteins (Kleefeld,1990).
 

Bodenentwicklung über dem Unteren Buntsandstein

Die Bodenentwicklung auf der Unterlage des Unteren Buntsandsteins ist entscheidend abhängig von der Mächtigkeit der Lößauflage. Die Mächtigkeit wird dabei durch die Intensität der eiszeitlichen Lößanwehung und die Auswirkungen von Erosionsmechanismen bestimmt.

Das Substrat der Bodenbildung sind im Landschaftselement Nr. 3 in erster Linie die eiszeitlich aufgearbeiteten Frostschuttdecken, die je nach anstehendem Festgestein mehr aus Sand-, Schluff- oder Tonstein des Unteren Buntsandsteins gebildet wurden. Die entstandenen Bodentypen sind je nach Zersetzungsgrad des Substrates und der Mächtigkeit der Lößbeimengung Ranker oder flache bis mitteltiefe Braunerden. Die Böden sind vom Eisenoxid rötlich gefärbt und meist bis in die Krume steinhaltig.
 

Bodenentwicklung in Löß über Buntsandstein

Mit zunehmender Lößauflage wird das der Bodenbildung zur Verfügung stehende Substrat schluffiger. In den großflächigen Gebieten, in denen mächtige Lößauflagen über Buntsandstein oder Terrassenschottern erhalten geblieben sind, entstehen durch die Prozesse der Entkalkung, Verbraunung und Tonverlagerung Braunerden und Parabraunerden.
 

Bodenentwicklung in Senken und Talauen (Quartär)

Durch Erosion kam es fortwährend zur Verlagerung von Bodenmaterial hangabwärts in Richtung der Senken bzw. Talauen. Die Niederungen bildeten einen Akkumulationsraum für erodiertes Oberbodenmaterial. Dieses Substrat ist meist schluffig bis feinsandig und je nach Herkunft rötlich (Buntsandstein) bis humusbraun gefärbt. Je nach Grundwassereinfluß entstehen aus dem mehr oder weniger humosen Bodenmaterial Kolluvien, Auenböden oder Gleye, die fließend miteinander vergesellschaftet sind. Daneben prägt der Grundwasserflurabstand entscheidend den Verlauf der Bodenentwicklung. Der Grundwasserflurabstand entscheidet über die Ausbildung von reduktiven Horizonten und damit auch über die Nutzungseigenschaften dieser Standorte. Die Mächtigkeit der Auenlehmsedimentation ist entscheidend für den Steingehalt und damit für die Wasserspeicherkapazität.
 


Hydrogeologische Situation

Oberflächengewässer

Oberflächlich wird das Wasserschutzgebiet zum einen durch den Flurschützengrund in südlicher Richtung entwässert, der nach Westen in den Laakegraben mündet (vgl. Abbildung 3). Im westlichen Teil des geplanten WSG Hattorf führt der Laakebach das ganzjährig am Hangfuß südlich der Kreisstraße austretende Wasser in nordwestlicher Richtung zur Oder ab. Der mittlere Teil des Untersuchungsgebietes wird durch einen Graben entwässert, der unter der Kreisstraße Hattorf-Herzberg und der Eisenbahnlinie hindurch das Wasser entweder direkt in die Oder oder über einen weiteren Graben in Richtung Hattorf weiterführt. Die stärkste und gleichmäßígste Wasserführung weist der Laakebach auf. Die anderen Gräben führen nur periodisch größere Wassermengen, können aber bei Starkregenereignissen sehr stark anschwellen.

Im Jahr 1994 wurde das Wasser des Flurschützengrund und des Laakebaches mehrfach und an verschiedenen Stellen auf seinen Nitratgehalt untersucht.

Nitratgehalte im Oberflächenwasser im Untersuchungsjahr 1994

Wie die Abbildung zeigt gibt es große Unterschiede bei den gemessenen Nitratkonzentrationen in den einzelnen Fließgewässern. Die kontinuierlich höchsten Konzentrationen wurden im oberen Teil des Buntsandstein-Berglandes gemessen. Die hohen Belastungen an der oberen Meßstelle im Flurschützengrund (im Mittel 62 mg NO3/l) können als Hinweis darauf gewertet werden, daß intensive landwirtschaftliche Nutzung auf den flachgründigen Böden zu problematischen Belastungen führt. Die Ursachen dieser hohen Einträge zu klären sollte Gegenstand von Flächenbilanzierungen der Schläge im Einzugsgebiet des Flurschützenbaches sein. Im weiteren Verlauf des Gewässers in Richtung Oder geht die Belastung durch Verdünnungseffekte zurück. Der Laakebach, der sein Quellwasser aus den Kiesterrassen im Untergrund der Lößauflage bezieht, zeigt den Brunnenwerten vergleichbare Konzentrationen an Nitrat.

Vergleicht man die Nitratbelastungen im Untersuchungsgebiet mit denen anderer Fließgewässer in der Region, so liegen die Nitratgehalte von Sieber zwischen 5 und 15 mg NO3/l und die der Oder zwischen 2 und 3 mg NO3/l (Stawa Göttingen, 1989 und 1993) deutlich unter der Belastung im geplanten WSG Hattorf.
 

Grundwasser

Entsprechend dem vorliegenden geologischen Substrat sind für das Untersuchungsgebiet von unten nach oben drei Grundwasserleiter zu beschreiben:

1. Karstgrundwasserleiter im Zechstein

In der dem Buntsandstein unterliegenden Zechsteinformation, die sich in einer Senke von Osterode bis über Herzberg hinaus ausgebildet hat, ist ein sehr großer Karstgrundwasserleiter nachgewiesen (NLFB, 1992 und Leßmann, B., 1993). Dieser Aquifer weist sehr hohe Abstandsgeschwindigkeiten (4,8 km pro Tag) auf und wird von mehreren anderen Wassergewinnungsanlagen im Landkreis Osterode genutzt.

2. Kluftgrundwasserleiter im Buntsandstein

Im auflagernden Buntsandstein ist ein Kluftgrundwasserleiter vorhanden, der das Wasser in südwestlicher Richtung zur Oder ableitet. Das Wasser dieses Aquifers gelangt durch Einspeisung in den unter 3. beschriebenen Hauptgrundwasserkörper.

3. Porengrundwasserleiter in Terrassenschottern

In der Oderaue und im Lößsattel ist ein Porengrundwasserleiter in Terrassenschottern des Quartärs über den Buntsandsteinschichten ausgebildet. Die Kiese der Ober- und Mittelterrasse und der unterliegenden Buntsandsteinschichten nehmen die Sickerwässer der Lößlandschaft auf und führen sie der Oderaue zu (Kleefeld 1990). Die Grundwasserneubildung wird somit aus dem Sickerwasser und besonders aus dem vom Kluftwasserleiter des Buntsandsteins zugeführten Grundwasser gespeist. Hier in den Harzschottern der Niederterrasse ist ein 10 bis 20 m mächtiger Aquifer ausgebildet, der von den 10 bis 17,5 m tiefen Förderanlagen genutzt wird. Die Grundwasseroberfläche liegt bei 1 bis 4 m unter Geländeoberfläche und reicht damit in die aufliegenden Auenlehmsedimente hinein. Die Fließgeschwindigkeit ist in diesem Aquifer mit 2 m pro Tag wegen der Feinkörnigkeit des Substrates sehr gering.

Hauptsächlich speisen demnach die beiden zuletztgenannten Grundwasserkörper die Brunnen in Hattorf.

GPS-Koordinaten
N 51.6420° E 10.2481°

 

Literaturverzeichnis:

AG Bodenkunde, 1982: Bodenkundliche Kartieranleitung, Hrsg. Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und den geologischen Landesämtern der Bundesrepublik Deutschland. 3. Auflage, Hannover 1982.

Bax, A. 1990: Nitratsanierung in Wasserschutzgebieten -Fallstudie Hemeln- Landschafts-und bodenhydrologische Grundlagen und Bodeneigenschaften - Diplomarbeit Inst. f. Bodenwissenschaften, Univ. Göttingen

BUNDESREGIERUNG, 1986: Verordnung für Trinkwasser für Lebensmittelbetriebe (Trinkwasserverordnung) vom 22.05.1986, Bundesgesetzblatt, Jg 1986 Teil I, S 760-773

Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG), 1992: AG Bodennutzung, Strategien zur Reduzierung standort- und nutzungsbedingter Belastungen des Grundwassers mit Nitrat 1992.

Deutscher Wetterdienst (DWD), 1964: Klimaatlas von Niedersachsen, Offenbach am Main

Deutscher Wetterdienst (DWD), 1979: Das Klima der Bundesrepublik Deutschland. Selbstverlag des Deutschen Wetterdienst Offenbach am Main

Dommermuth & Trampf, 1990 und 1991: Die Verdunstung in der Bundesrepublik Deutschland, Zeitraum 1951-1980, Teil I (1990) und Teil II (1991) - Selbstverlag des Deutschen Wetterdienstes, Offenbach am Main

Kleefeld, M., 1990: Hydrogeologisches Gutachten zur Bemessung und Gliederung des Trinkwasserschutzgebietes für die Brunnen I,III und IV des Wasserwerkes Hattorf der Samtgemeinde Hattorf am Harz

Geosan 1994: Hydrogeologisches Gutachten zur Bemessung und Gliederung des Trinkwasserschutzgebietes für die Brunnen I,III und IV des Wasserwerkes Hattorf der Samtgemeinde Hattorf am Harz -Ergänzungen und Nachträge-

Leßmann, B., 1993: Hydrologische Untersuchungen im Pöhlder Becken, unveröffentlichte Diplomarbeit, Institut für Geologie und Paläontologie, Georg-August-Universität Göttingen

SPEYER, O., 1884: Erläuterungen zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten, Blatt 4327, Gieboldehausen

NLfB, 1991: Bodenkundliche Pflichtenhefte für Niedersachsen Heft 1, Bodenkundliche Arbeiten in Wassereinzugsgebieten. Hannover, 1991

NLFB, 1992: Hydrogeologisches Gutachten zur Bemessung und Gliederung des Trinkwasserschutzgebietes Pöhlder Becken, Sachbearbeiter: Dr. Grimmelmann

Renger, M., G. WESSOLEK, R. KÖNIG, F. SWARTJES, C. FAHRENHORST, B. KASCHANIAN, 1989: Modelle zur Ermittlung und Bewertung von Wasserhaushalt, Stoffdynamik und Schadstoffbelastbarkeit in Abhängigkeit von Klima, Bodeneigenschaften und Nutzung. -Endbericht zum BMFT-Projekt 0374343

Ricken, W., 1980: Quartäre fluviatile und äolische Sedimentation am Südwest-Harz und ihre Beeinflussung durch Subrosion, Diplomarbeit (unveröffentlicht), Institut für Geologie und Paläontologie, Georg-August-Universität Göttingen

Ricken, w., 1982: Paläoböden im Löss, Sitzung des Arbeitskreises Paläoböden der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft

Ricken, w., 1983: Mittel- und Jungpleistozäne Lössdecken im südwestlichen Harzvorland; in: Bork, H.-R. u. Ricken, W.: Bodenerosion, holozäne und pleistozäne Bodenentwicklung, Catena Verlag Supplement 3, Braunschweig

Scheffer/Schachtschabel, 1984: Lehrbuch der Bodenkunde, (Ferdinand Enke Verlag) Stuttgart 1984

Samtgemeinde Hattorf am Harz, 1990: Antrag der Samtgemeinde Hattorf am Harz auf Festsetzung eines Wasserschutzgebietes gem. §§ 48 und 49 des NWG in der Fassung vom 20.08. 1990 für die Wassergewinnungsanlage der Samtgemeinde Hattorf am Harz

Samtgemeinde Hattorf am Harz, 1994: Schriftliche Mitteilung von Herrn Samtgemeindedirektor Elsler

Samtgemeinde Hattorf am Harz, 1995: Mündliche Auskunft von Herrn Reich


Für die freundliche Bereitstellung des Gutachtens, herzlichen Dank an:

 IGLU
Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt

und

Herrn Eckhard Lorenz / Bezirksregierung Braunschweig (Auftraggeber)