Fährt man von Stolberg (Harz) kommend durch Rottleberode in Richtung Berga (Kreis Sangerhausen), dann sieht man dicht hinter dem Ort rechter Hand ein Gipswerk. Dahinter steigen steil die Wände des "Alten Stolbergs" auf. Fast alle sind - zumindest im Winter - durch ihre helle Farbe als Gipsstein erkennbar. Direkt hinter dem Gipswerk fehlt die typische Bewaldung. Kein Wunder, wird doch hier, vom Tal der Thyra ausgehend, seit mindestens 100 Jahren Gipsstein abgebaut. Der Gipsstein ist sehr rein und deshalb besonders hochwertig. Intensiver Abbau in der DDR führte zu dem Bild, das sich etwa zur Zeit der Wiedervereinigung bot. Eine mehr als 100 m hohe, fast vegetationslose Wand. Die neue Firmenleitung erkannte sehr schnell, dass mit so einer weithin sichtbaren Wand kein Renommee zu gewinnen war und ließ die Abbaustelle rekultivieren, sobald dies betrieblich möglich war. Notwendig war ja zunächst die betriebliche Umstellung, das hieß, den Abbau an weniger sichtbare Stellen zu verlagern. Nachdem dies geschehen war, konnte man mit der Rekultivierung beginnen.
Rekultivierung hieß hier wirklich, wieder ein kulturfähiges Substrat herzurichten. Zunächst wurden stellenweise die streng geometrischen Steinbruchsohlen durch gezielte Sprengungen zerstört und dadurch optisch aufgelöst: Schuttkegel entstanden dabei. Des Weiteren verlegte man die gesamte Abraumbeseitigung an diese Stelle. Man überschüttete die verbliebenen Abbauterrassen (= Bermen) mit Bodenmaterial, das an anderen Stellen des großflächigen Steinbruchareals anfiel, ließ aber andererseits auch einige etwas steilere Stellen stehen, die heute als Felswand-Biotope hervorspringen. Man ging von Norden nach Süden vor und erreichte so einen sehr guten morphologischen Übergang von der ungestörten Wand im Norden in das ehemalige Abbaugebiet. Damit war der erste Schritt zu einer auch die Öffentlichkeit befriedigenden Lösung getan.
Inzwischen sind mehrere Zehntausend Bäume und Sträucher gepflanzt worden, darunter auch so relativ seltene Bäume wie Elsbeeren und Bergulmen. Außerdem versucht man, den etwas steileren Hangbereichen wieder einen Mischwaldcharakter zu geben, indem man u. a. mit Linden und Eschen aufforstet. Um die jungen Bestände vor Mäuseverbiss zu schützen, lockt man Greifvögel an, so sind dort schon Mäusebussard, Roter Milan und Turmfalke gesehen worden. Quelle: ( Kostenloser Bezug der gedruckten Version über ebendiese Adresse ) |